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Briefe Paulus' · NT · Kapitel 57 von 66

Philemon

Jesus ist unser Versöhner.

Verfasser
Paulus, im ersten Vers zusammen mit Timotheus genannt; er schreibt als Gefangener (Verse 1 und 9; seine Fesseln in den Versen 10 und 13).
Entstehung
Aus der Haft; Onesimus bringt den Brief selbst zurück (Vers 12) und reist zusammen mit dem Boten des Kolosserbriefes (Kolosser 4,7–9).
Gattung
Privatbrief in einer Rechtssache — und zugleich ein Bittschreiben an ein ganzes Haus (Vers 2).
Kernaussage
Wer zu Christus gehört, kann einen Menschen nicht länger als Besitz behandeln — und Versöhnung geschieht nicht auf Befehl, sondern weil einer dazwischentritt und die Rechnung übernimmt.

Philemon ist der kürzeste Brief des Paulus: ein Kapitel, fünfundzwanzig Verse. Kein Lehrstück, sondern ein Fall. Philemon ist ein Christ mit Haus und Sklaven; in seinem Haus trifft sich die Gemeinde (Vers 2). Einer seiner Sklaven, Onesimus, ist weg — entlaufen, sagt die alte Lesart; der Brief nennt nur die Trennung (Vers 15). Offenbar hat er auch Schaden angerichtet (Vers 18). Nach römischem Recht stand dem Eigentümer harte Strafe zu — Prügel, Brandzeichen, im schlimmsten Fall mehr. Onesimus landet bei Paulus im Gefängnis und wird dort Christ. Paulus schickt ihn zurück. Nicht heimlich, sondern mit diesem Brief in der Hand. Und der Brief geht nicht nur an Philemon, sondern an sein ganzes Haus. Philemon liest ihn also vor Zeugen. Paulus bittet, statt zu befehlen. Er bittet um Aufnahme. Und er setzt seinen eigenen Namen unter die Schuld eines anderen.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Philemon 1–3Wem gehört diese Gefangenschaft?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Der erste Vers nennt dreierlei auf einmal. Paulus schreibt, Timotheus steht mit im Briefkopf, und der Empfänger heißt Mitarbeiter. Dann fällt eine Bezeichnung, die Paulus zweimal setzt (Verse 1 und 9): Er ist ein Gefangener. Und er sagt nicht, Rom halte ihn, sondern Christus. Vers 2 erweitert den Kreis: Der Brief geht auch an Appia, an Archippus und an die Hausgemeinde. Damit ist die Privatsache öffentlich. Philemon wird nicht in einer stillen Ecke gefragt, sondern vor seinen Leuten. Vers 3 setzt dann den Gruß — Gnade und Frieden, und dazu zwei Quellen: den Vater und Jesus Christus. Mit der Gnade endet der Brief auch (Vers 25). Sie rahmt alles ein.

Der Christus-Bezug

Das ist die deutlichste Christusaussage dieses Briefes, und sie steht in einer Grußformel: Gnade kommt von Jesus Christus so, wie sie vom Vater kommt. Der Brief begründet das nicht, er setzt es voraus. Und dieselbe Gnade rahmt alles ein, was dazwischen erbeten wird (Verse 3 und 25). Paulus bittet um etwas, das er selbst empfangen hat.

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Philemon 8–14Warum befiehlt Paulus nicht?SchwachFromme Analogie

Was hier steht

Vers 8 sagt zuerst, was Paulus eigentlich dürfte. Er hätte die Vollmacht, eine Anweisung zu erteilen; er sagt auch, woher sie kommt: aus seiner Stellung in Christus. Er benutzt sie nicht ein einziges Mal. Vers 9 nennt zwei Gründe für die andere Wahl. Der erste ist die Liebe. Der zweite klingt fast beiläufig: Er ist alt geworden und sitzt in Haft. Statt eines Befehls kommt also eine Bitte von einem, der nichts erzwingen kann. Vers 14 zieht es ausdrücklich durch. Paulus wollte nichts hinter Philemons Rücken entscheiden, denn eine erzwungene Wohltat wäre keine freiwillige mehr. Der ganze Brief hängt an dieser Entscheidung: Er hätte das Recht zu befehlen und bittet stattdessen.

Der Christus-Bezug

Als Bild gesprochen liegt hier die Christusgestalt dieses Briefes am nächsten: einer, der ein Recht besitzt und darauf verzichtet. Philipper 2,6–8 sagt genau das von Jesus, und Paulus schreibt beide Briefe aus der Haft. Nur zieht Philemon diese Linie nirgends selbst. Der Brief redet vom Verzicht des Paulus, nicht von dem Christi. Die Ähnlichkeit ist stark. Ein Beleg ist sie nicht.

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Philemon 10–13Wie wird aus Eigentum ein Kind?StarkHeilslinie

Was hier steht

Jetzt kommt der Name, um den es geht. Paulus nennt Onesimus sein Kind und sagt, wo diese Vaterschaft entstanden ist: in den Fesseln. Vers 11 spielt mit dem Namen. Onesimus heißt so viel wie der Nützliche. Genau darin sieht Paulus den Wechsel: Der Mann, mit dem Philemon nichts anfangen konnte, ist jetzt für beide zu gebrauchen. Dann folgt der Satz, der Onesimus am meisten kostet: Paulus schickt ihn zurück. Gern hätte er ihn behalten (Vers 13), als Vertretung für Philemon selbst. Er tut es nicht. Vers 12 sagt dann, wie die Aufnahme aussehen soll: Wer Onesimus empfängt, empfängt das Innerste des Paulus. Ein Sklave geht los, ein Bruder kommt an.

Der Christus-Bezug

Nicht Paulus macht Kinder Gottes. Das Wort macht es, und Paulus trägt es (1. Korinther 4,15). Wie einer dazu kommt, sagt Johannes 1,12: Er nimmt Christus auf. Galater 3,26 nennt dasselbe anders — einer wird Sohn, weil er Christus Jesus vertraut. Philemon lehrt das nicht. Er zeigt, wie es aussieht, wenn das passiert ist: Ein Fall wird eine Familie.

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Philemon 15–16Was ändert sich, wenn nichts abgeschafft wird?StarkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vers 15 wagt eine Vermutung, und Paulus kennzeichnet sie als Vermutung. Vielleicht war die kurze Trennung nötig, damit Philemon den Mann für immer hat. Paulus beruft sich nicht auf eine Eingebung. Er sagt nur: vielleicht. Vers 16 ordnet dann das Verhältnis um. Der Sklavenstand soll nicht mehr zählen, zählen soll die Bruderschaft — im Haushalt genauso wie vor dem Herrn. Hier ist große Nüchternheit nötig. Der Brief schafft die Sklaverei nicht ab. Er verlangt kein Gesetz, er fordert keine Freilassungsurkunde, er nennt das Unrecht nicht Unrecht. Er tut etwas anderes: Er zieht dem Verhältnis den Boden weg. Wer seinen Sklaven Bruder nennen muss, kann ihn nicht länger als Sache behandeln.

Der Christus-Bezug

Das Wort, das die Umstufung trägt, ist „im Herrn“. Nicht Paulus ändert den Stand des Onesimus, sondern seine Zugehörigkeit. Anderswo sagt Paulus es als Lehre: Wer als Sklave zum Herrn gehört, ist ein Freigelassener (1. Korinther 7,22), und in Christus fällt dieser Unterschied weg (Galater 3,28; Kolosser 3,11). Philemon ist der eine Ort, wo diese Lehre eine Adresse bekommt.

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Philemon 17Was heißt hier aufnehmen?StarkHeilslinie

Was hier steht

Ein Satz, und der Brief hat seinen höchsten Punkt erreicht. Paulus stellt eine Bedingung, die keine ist. Hält Philemon ihn für einen Teilhaber, dann soll er Onesimus so empfangen, wie er Paulus selbst empfangen würde. Das Wort Teilhaber greift Vers 6 auf; dort ging es um die Gemeinschaft, die aus dem Glauben heraus wirksam werden soll. Jetzt wird sie es. Das Verb für die Aufnahme heißt im Griechischen proslambanein: jemanden zu sich hereinholen. Dasselbe Wort steht für die Leute auf Malta, die Schiffbrüchige ans Feuer holten (Apostelgeschichte 28,2). Paulus verlangt keine Zeremonie und keine große Erklärung. Er verlangt, dass die Tür aufgeht. Mehr fordert er nicht, und weniger genügt nicht.

Der Christus-Bezug

Dieses Verb lädt das Neue Testament selbst auf. Römer 14,3 sagt es von Gott: Er hat den angenommen, über den ein anderer urteilt. Römer 15,7 macht daraus die Regel für die Gemeinde und nennt den Grund — Christus hat zuerst aufgenommen, und zwar uns. Damit hat der Titel dieses Buches seinen festesten Halt. Nicht Philemon zitiert Christus. Philemon soll tun, was Christus getan hat.

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Philemon 18–19Wer bezahlt?SchwachFromme Analogie

Was hier steht

Jetzt wird gerechnet. Vers 18 nimmt an, dass etwas offen ist: Schaden oder Schuld. Paulus schlägt keinen Erlass vor. Er verschiebt den Posten — was Onesimus schuldet, soll auf sein Konto gehen. Vers 19 wechselt dafür die Hand. Bis hierher hat wahrscheinlich ein Schreiber mitgeschrieben; nun greift Paulus selbst zur Feder und setzt eine Zusage hin, die vor Zeugen gilt: Er zahlt. Im selben Atemzug erinnert er daran, dass Philemon ihm selbst etwas schuldet — und sagt, davon wolle er eigentlich nicht reden. Das ist Druck, freundlich verpackt, und Philemon merkt ihn. Der Brief bleibt darin ehrlich: Paulus ist kein neutraler Vermittler. Er hat ein Interesse, und er zeigt es offen.

Der Christus-Bezug

Von hier stammt der Titel, und hier muss klar bleiben, wie er entsteht. Paulus schreibt über eine Geldsumme, nicht über Sünde. Wo er die Versöhnung lehrt, sagt er es unmissverständlich: Gott rechnet die Verfehlungen nicht mehr an, denn er hat sie einem anderen aufgebürdet (2. Korinther 5,19–21). Als Bild gesprochen tut Paulus in Vers 19, was Christus getan hat. Ein Beweis ist der Vers nicht.

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Merkvers

Philemon 17

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Paulus hätte befehlen können und hat gebeten. Wo hast du gerade ein Recht in der Hand — und was würde es dich kosten, es nicht zu gebrauchen?
  2. Vers 16 nennt den Sklaven einen Bruder und hebt den Sklavenstand doch nicht auf. Wen nennst du Bruder oder Schwester und behandelst ihn trotzdem nach dem alten Muster?
  3. Paulus schreibt eigenhändig, dass er zahlt. Gibt es eine Rechnung, bei der du sagen könntest: Schreib sie auf mich?