Zum Inhalt springen
Haus Gottes Logo
Briefe Paulus' · NT · Kapitel 56 von 66

Titus

Jesus ist unsere gesegnete Hoffnung.

Verfasser
Paulus — Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi (1,1); er schreibt an seinen Mitarbeiter Titus (1,4).
Entstehung
Ein Auftragsbrief an Titus auf Kreta; Paulus will in Nikopolis überwintern und Titus dorthin rufen (1,5; 3,12).
Gattung
Dienstanweisung an einen Mitarbeiter, mit zwei eingelegten Lehrstücken über die Rettung.
Kernaussage
Weil Gottes Gnade schon erschienen ist und seine Herrlichkeit noch erwartet wird, verändert der Glaube den Alltag ganzer Häuser.

Kreta ist eine große Insel mit vielen Städten. Paulus war dort, ist weitergezogen und hat Titus zurückgelassen (1,5). Der Auftrag lautet: in Ordnung bringen, was noch fehlt, und in jeder Stadt Älteste einsetzen. Drei Kapitel, und sie klingen wie eine Dienstanweisung. Es geht um Aufseher und ihre Familien, um alte und junge Leute, um Hausdiener, um die Obrigkeit. Dagegen stehen Männer, die viel reden und dabei verdienen wollen (1,10–11), die auf Legenden achten (1,14) und über Geschlechtsregister streiten (3,9). Zweimal aber hält der Brief mitten in den Anweisungen an und sagt, warum das alles gilt (2,11–14; 3,4–7). Ohne diese beiden Stellen wäre Titus eine Hausordnung. Mit ihnen ist er ein Brief über Rettung — und über den, der noch kommt.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Titus 1,1–4Worauf ruht diese Hoffnung?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Paulus stellt sich vor: Knecht Gottes, Apostel Jesu Christi. Sein Auftrag ist auf zwei Größen bezogen — den Glauben der Auserwählten und die Erkenntnis der Wahrheit; und diese Erkenntnis passt zur Gottesfurcht, also zu einem Leben, das mit Gott rechnet (1,1). Vers 2 nennt den Boden darunter: Hoffnung auf ewiges Leben. Sie trägt, weil Gott es vor ewigen Zeiten zugesagt hat und weil er nicht lügen kann. Wer hofft, hängt an der Zuverlässigkeit dessen, der es gesagt hat. Vers 3 sagt, wie diese alte Zusage jetzt ankommt: als Verkündigung, mit der Paulus betraut ist. Und dann fällt zweimal dasselbe Wort. Gott heißt unser Retter (1,3), und einen Vers später heißt Jesus Christus so (1,4).

Der Christus-Bezug

Retter ist das Leitwort dieses Briefes: sechsmal auf drei Kapitel, und genau im Wechsel — dreimal vom Vater (1,3; 2,10; 3,4), dreimal vom Sohn (1,4; 2,13; 3,6). Der Vater bleibt dabei der Vater. Und was nur Gott tun kann — retten —, das tut dieser Sohn. Das Neue Testament nennt Jesus ausdrücklich so (Lukas 2,11; Johannes 4,42).

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Titus 1,10–16Worauf hofften die Leute auf Kreta?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Jetzt wird benannt, wogegen Titus arbeitet. Viele widersprechen und reden leer; was sie davon haben, sagt der Brief auch: schändlichen Gewinn (1,11). Ganze Häuser kommen dadurch durcheinander. Woran hängen diese Leute? An Legenden und an Geboten, die Menschen sich ausgedacht haben (1,14). Später kommen Geschlechtsregister und Gesetzesstreit dazu (3,9), beides unnütz. Dann greift er ein hartes Wort auf: Ein Prophet der Kreter hat den eigenen Landsleuten Lügen, Rohheit und Faulheit nachgesagt, und der Brief stimmt ihm zu (1,12–13). Das ist kein Spott über ein Volk, sondern die Lage, in der Titus Älteste einsetzen soll. Vers 16 trifft die Gegner am wundesten Punkt: Sie behaupten, Gott zu kennen. Ihre Werke sagen etwas anderes.

Der Christus-Bezug

Hier redet der Brief nicht von Christus, und genau das ist zu sehen. Wer auf Geschlechtsregister und Reinheitsregeln setzt, hat etwas zu verwalten, aber niemanden zu erwarten. Der Text weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nicht. Die Antwort kommt ein Kapitel später, keine bessere Regel, sondern ein Erscheinen (2,11–13). Erwarten kann nur, wer jemanden hat.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Titus 2,9–12Was hat ein Hausdiener mit der Gnade zu tun?StarkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Kapitel 2 verteilt Aufgaben in dieser Reihenfolge: alte Männer (2,2), alte Frauen (2,3), junge Frauen (2,4–5), junge Männer (2,6), Titus selbst (2,7–8) — und zuletzt die Hausdiener. Sie hatten am wenigsten Rechte. Ihnen wird gesagt: unterordnen, nicht widersprechen, nichts entwenden, treu sein. Dann der überraschende Satz: So machen sie der Lehre Gottes Ehre. Das griechische Wort dahinter heißt schmücken; unser Wort Kosmetik kommt davon. Ein Hausdiener schmückt die Botschaft. Vers 11 begründet das mit einem „denn“: Gottes Gnade ist erschienen und bringt Rettung für alle Menschen. Gnade heißt: Gott gibt, was keiner verdient hat. Vers 12 sagt, was sie tut: Sie nimmt uns in Zucht — weg von Gottlosigkeit und weltlichen Begierden, hin zu einem besonnenen, gerechten, gottesfürchtigen Leben.

Der Christus-Bezug

Nur Titus sagt es so: Die Gnade selbst ist erschienen, nicht bloß eine Nachricht über sie. Der Name fällt hier noch nicht, sondern erst im nächsten Vers: 2,11–14 ist ein Satz, und er endet bei Jesus Christus, der sich selbst hingegeben hat. Nach demselben Muster redet 2. Timotheus 1,10 von der Erscheinung unseres Retters. Diese Gnade erzieht und lässt niemanden liegen.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Titus 2,13Wen erwarten wir eigentlich?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vers 13 sagt, wie das Leben zwischen den Zeiten aussieht: erwartend. Zwei Dinge stehen im Satz, und sie gehören zusammen. Erstens die Hoffnung, die glücklich macht. Zweitens das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters — und der ist mit Namen genannt: Jesus Christus. Das Wort für dieses Erscheinen ist dasselbe wie in Vers 11, nur als Hauptwort. Damals brach Gnade ins Sichtbare; einmal noch bricht Herrlichkeit ins Sichtbare. Im griechischen Text steht vor „großer Gott“ und „Retter“ nur ein einziges „der“, und dahinter folgt ein einziger Name. Der Satz liest sich darum von einem Erwarteten, nicht von zwei. Dazu passt: Dieses Hauptwort steht im Neuen Testament sechsmal und jedes Mal von Jesus, nie vom Vater.

Der Christus-Bezug

Hier steht der Titel dieses Buches, in einem Satz, der Jesus Gott nennt. Das ist im Neuen Testament selten und hier so klar wie fast nirgends; ebenso gebaut ist 2. Petrus 1,1. Unsere Hoffnung ist deshalb kein Ausblick, sondern eine Ankunft. Christen legen die Reihenfolge unterschiedlich aus. Alle sagen: Er kommt sichtbar, leiblich, herrlich, und er richtet die Welt.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Titus 2,14Wie kommt einer zu einem eigenen Volk?StarkHeilslinie

Was hier steht

Der Satz läuft weiter: Was dieser Erwartete längst getan hat, kommt jetzt. Er hat sich selbst hingegeben; niemand hat ihn abgeliefert. Zwei Ziele nennt er. Erstens erlösen: heraus aus aller Gesetzlosigkeit — gemeint ist ein Leben ohne Gottes Recht, nicht ein einzelner Fehltritt. Zweitens reinigen: ein Volk, das ihm allein gehört und das eifrig Gutes tut. Beide Wendungen sind alt. Israel hieß Gottes Eigentum, herausgehoben aus allen Völkern (2. Mose 19,5; 5. Mose 14,2). Und ein Psalm erwartet, dass Gott sein Volk von allen Verfehlungen erlöst (Psalm 130,8). Der Brief benutzt diese Sprache; wo dort Gott handelt, steht hier Christus. Auffällig ist das Ziel: gute Werke, genau die, die den Gegnern in 1,16 fehlen.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster reden Israels Bundestexte: Gott erwirbt sich ein Volk und macht es rein. Titus sagt beides von Christus und begründet es mit seiner Hingabe. Die Zusagen an Israel werden dabei nicht weggenommen; sie bleiben, und Heiden werden hineingenommen (Römer 11,17–24.29). Der Brief zitiert keinen der alten Texte. Gemeinsam ist die Sprache, neu ist der Name des Handelnden.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Titus 3,3–7Woraus wird Hoffnung, wenn du nichts mitbringst?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vor dem zweiten Lehrstück steht ein unangenehmer Rückblick. Der Brief redet nicht über die anderen, sondern sagt „wir“: ohne Einsicht, ohne Gehorsam, von Begierden regiert, voller Bosheit und Neid (3,3). Dann der Umbruch in Vers 4: Gott, der rettet, tritt hervor — und zwar als der, der es gut mit Menschen meint. Vers 5 sagt, woher die Rettung nicht kommt: nicht aus Taten, mit denen wir etwas gerade gebogen hätten. Sie kommt aus Erbarmen. Wie sie ankommt, sagt der Vers in zwei Bildern: ein Bad, das neu geboren werden lässt, und ein Erneuern durch den Heiligen Geist. Vers 6 nennt den Weg: Gott hat den Geist reichlich ausgegossen, durch Jesus Christus, unseren Retter. Vers 7 nennt das Ergebnis: Gott spricht frei, und wir werden Erben des ewigen Lebens.

Der Christus-Bezug

Hier liegt der Grund unter der Hoffnung. Vater, Sohn und Geist stehen in drei Versen beieinander (3,4–6): Der Vater trat freundlich hervor, der Geist wurde ausgegossen, und der Weg dazwischen ist Christus (Vers 6). So wird der Titel belastbar. Gesegnete Hoffnung heißt nicht, dass es irgendwie gut ausgeht, sondern: Einer hat schon gezahlt, und einer kommt noch.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)

Merkvers

Titus 2,13

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Titus 2,10 benutzt für das Verhalten der Hausdiener ein Wort, das schmücken heißt. An welcher Stelle deiner Woche wird die Botschaft durch dich sehenswert — und wo unansehnlich?
  2. Die Leute in Titus 1,14 und 3,9 hatten Legenden und Geschlechtsregister zu verwalten, aber niemanden zu erwarten. Was verwaltest du gerade, statt zu erwarten?
  3. Titus 2,12 sagt, dass Gnade in Zucht nimmt. Woran hat Gott dich im letzten Jahr erzogen — und wo hast du dich gesträubt?