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Große Propheten · AT · Kapitel 25 von 66

Klagelieder

Jesus ist unsere Hoffnung.

Verfasser
Jeremia (traditionell); das Buch selbst nennt keinen Namen, die griechische Übersetzung stellt seinen Namen davor.
Entstehung
Jerusalem, kurz nach der Zerstörung der Stadt durch die Babylonier im Jahr 586 v. Chr.
Gattung
Fünf Klagegedichte; vier davon laufen das hebräische Alphabet entlang.
Kernaussage
Eine zerstörte Stadt klagt vor Gott, gibt ihre Schuld zu — und hält mitten darin an seiner Treue fest.

Im Sommer 586 v. Chr. brannte Jerusalem. Die Babylonier rissen die Mauern nieder, zerstörten den Tempel und führten die Überlebenden weg. Klagelieder wurde danach geschrieben: fünf Gedichte, eines je Kapitel. Kein Trost von außen, keine Rettungsgeschichte, kein guter Ausgang. Auffällig ist die Form: Vier der fünf Gedichte gehen das hebräische Alphabet entlang. Vers eins beginnt mit dem ersten Buchstaben, Vers zwei mit dem zweiten, bis alle durch sind. Kapitel 1, 2 und 4 haben darum genau zweiundzwanzig Verse. Kapitel 3 nimmt jeden Buchstaben dreimal und kommt auf sechsundsechzig. Kapitel 5 lässt die Reihe fallen und betet. Der Schmerz bekommt eine Ordnung, von A bis Z. Und genau in der Mitte, im dritten Gedicht, steht der einzige helle Abschnitt des ganzen Buches.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Klagelieder 1,12–22Sieht denn überhaupt jemand hin?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Ab Vers 11 redet die Stadt selbst, in der Ichform. Sie ruft die Vorbeigehenden an und fragt, ob ihr Schmerz sie nichts angehe (1,12). Ein Straßenruf, kein Gebet. Fünfmal hält Kapitel 1 fest, dass kein Tröster da ist (1,2.9.16.17.21). Dabei beschönigt sie nichts. Ihre Vergehen liegen ihr wie ein Joch im Nacken (1,14). In Vers 18 gibt sie Gott recht und sich selbst die Schuld. Wer Klagelieder für einen Protest gegen einen ungerechten Gott hält, hat es nicht gelesen. Es klagt vor dem, den es für gerecht hält. Am Schluss bittet sie, Gott möge den angekündigten Tag auch über ihre Feinde bringen (1,21–22). Dieser Tag steht am Kapitelende noch aus.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus, weil diese Bitte offen bleibt; das Neue Testament zitiert Klagelieder an keiner Stelle. Es erzählt aber von einem, der Jahrhunderte später vor derselben Stadt stand und über sie weinte, bevor sie ein zweites Mal fiel (Lukas 19,41–44). Die Stadt fragte, ob überhaupt jemand hinsieht. Bei ihm ist die Antwort ein Gesicht voller Tränen.

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Klagelieder 2,1–8Warum steht Gott auf der anderen Seite?MittelHeilslinie

Was hier steht

Das zweite Gedicht ist der härteste Text des Buches. Es nennt einen Täter, und der heißt nicht Babylon. Acht Verse lang steht, was der Herr tat. Er hat vertilgt, ohne zu schonen (2,2). Wie ein Feind spannte er den Bogen, wie ein Widersacher stellte er sich hin (2,4). In Vers 5 fällt der Satz, an dem sich viele stoßen: Der Herr sei zum Feind geworden. Der Dichter nimmt das nicht zurück und erklärt es nicht weg. Er sagt später nur: Gott hat ausgeführt, was er lange vorher ansagen ließ (2,17). Das Gericht kam nicht aus Laune, sondern nach Wort und Warnung. Und es traf, was Gott gehörte: Altar, Heiligtum, Festtage, König und Priester (2,6–7).

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster läuft eine Linie weiter. Dreimal steht in Klagelieder der Tag des Zorns (2,1.21–22); Kapitel 1 hatte ihn angekündigt (1,21). Paulus nimmt diesen Tag auf (Römer 2,5) und sagt, wohin er führt: Wer durch das Blut Christi gerecht gesprochen ist, den rettet er vor dem Zorn (Römer 5,9). Gott hat dafür den eigenen Sohn nicht geschont, sondern ihn zugunsten von uns allen hergegeben (Römer 8,32). In Klagelieder trifft es eine schuldige Stadt, am Kreuz einen ohne Schuld.

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Klagelieder 3,1–9Wer ist der Mann, der hier redet?SchwachFromme Analogie

Was hier steht

Mit Kapitel 3 wechselt die Stimme. Jetzt redet ein Einzelner, und er stellt sich im ersten Satz vor: Er ist der Mann, den Gottes Zorn gebeugt hat (3,1). Das hebräische Wort meint nicht irgendeinen Menschen, sondern den kräftigen, wehrhaften Mann. Gerade den hat es umgeworfen. Neun Verse lang zählt er auf, was ihm geschehen ist. Jedes Mal ist Gott derjenige, der handelt: ins Dunkle geführt, eingemauert, die Wege verstellt (3,2.7.9). Sogar sein Rufen komme nicht mehr durch (3,8). Wer dieser Mann ist, sagt das Buch nicht. Nach alter Überlieferung ist es Jeremia. Sicher ist nur eines: Er redet für sich und zugleich für alle. Ab Vers 40 sagt er wieder wir.

Der Christus-Bezug

Als Bild gesprochen: Die Kirche hat in diesem Mann seit alter Zeit den gesehen, der später am Kreuz hing. Das Bild ist alt, und es trägt weit. Nur zieht das Neue Testament diese Linie nirgends. Und die Sache hat eine Bruchstelle: Der Mann bekennt in 3,42 auch die eigene Schuld. Jesus hatte keine zu bekennen. Ein Bild, kein Beweis.

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Klagelieder 3,21–26Woher kommt Hoffnung, wenn nichts besser wird?StarkHeilslinie

Was hier steht

Hier dreht das Buch, in seiner Mitte. Drei Verse vorher war die Hoffnung des Mannes am Ende (3,18). Jetzt sagt er: Dieses eine hole ich mir zurück, darum warte ich wieder (3,21). Was er sich zurückholt, steht in 3,22–23. Er zählt drei Dinge auf, die er über Gott weiß: Güte, Erbarmen, Treue. Keines davon sieht er gerade. Daraus folgert er: Gott selbst ist sein Anteil, also wartet er auf ihn (3,24). Vers 25 weitet das aus: Es gilt allen, die warten und nach Gott fragen. Und in 3,26 nennt er es gut, still zu warten. Achte auf die Reihenfolge. Die Lage ändert sich nicht, die Stadt bleibt Schutt. Er stellt sein Wissen über Gott gegen das, was er vor sich hat.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster läuft die Linie weiter, und sie beginnt beim selben Verfasser: Jeremia nennt Gott zweimal die Hoffnung Israels (Jeremia 14,8; 17,13). Paulus sagt vor seinen römischen Zuhörern, seine Kette hänge an eben dieser Hoffnung Israels (Apostelgeschichte 28,20) — und nennt Christus Jesus selbst unsere Hoffnung (1. Timotheus 1,1). Auch Römer 15,4 beschreibt die Bewegung von 3,21: aus den älteren Schriften Hoffnung fassen. Klagelieder wird dabei nirgends genannt. Was der Mann sich vorhielt, hat am Ende dieser Linie einen Namen.

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Klagelieder 4,17–20Der Gesalbte in der GrubeMittelTypologie Institution

Was hier steht

Das vierte Gedicht erzählt die Belagerung von innen: Gold im Dreck, verdurstende Säuglinge, mitschuldige Propheten (4,1.4.13). Vom Wachposten warten sie vergeblich auf Hilfe eines anderen Volkes (4,17), das ungenannt bleibt. Nach Jeremia 37,5–11 ist Ägypten gemeint: Das ägyptische Heer rückte an, die Babylonier zogen kurz ab — dann kehrte die Hilfe um. Zuletzt der König (4,20): Er heißt hier der Gesalbte des Herrn; Gesalbter ist im Hebräischen das Wort, aus dem Messias wird. Er galt als Lebensatem des Volkes; in seinem Schatten wollte es weiterleben. Gefangen wurde er in den Gruben der Feinde. Gemeint ist Zedekia: geflohen, bei Jericho eingeholt, geblendet, weggeschleppt (2. Könige 25,4–7). Der Titel blieb. Der Träger versagte.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus, denn die Zusage an Davids Haus blieb offen (2. Samuel 7,16). Frühe Christen haben Klagelieder 4,20 auf Jesus gelesen; das Neue Testament tut das nicht. Es sagt aber, dass der Thron Davids wieder besetzt wird und diese Herrschaft kein Ende nimmt (Lukas 1,32–33). Und eine Grube hat diesen Gesalbten nicht gehalten (Apostelgeschichte 2,30–32).

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Klagelieder 5,19–22Warum endet das Buch mit einer Frage?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Das fünfte Gedicht ist ein Gebet der Gemeinde, ohne Alphabet, in schlichten Sätzen. Es zählt auf, was übrig ist: fremde Besitzer, Waisen, gekauftes Wasser, Zwangsarbeit für die Jungen (5,2–4.13). Auch die Schuld bleibt im Blick: Die Väter haben gesündigt, die Kinder tragen die Folgen (5,7). Dann ein einziger fester Satz: Gott thront in Ewigkeit (5,19). Daneben die Frage, warum er sie dann so lange vergisst (5,20). Vers 21 bittet Gott, er möge sie zu sich zurückholen; dann werden sie umkehren. Auch die Umkehr wird erbeten, nicht als eigene Leistung angekündigt. Der letzte Vers löst nichts auf: Er fragt, ob Gott sein Volk ganz verworfen hat (5,22). So endet das Buch.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus, weil er offen bleibt; das Neue Testament zitiert Klagelieder nicht. Die Antwort auf die Frage von 5,22 kommt von außerhalb dieses Buches. Paulus stellt sie noch einmal — ob Gott sein Volk verstoßen habe — und verneint sie ausdrücklich (Römer 11,1–2). Christus erfüllt Israels Verheißungen; die Gemeinde tritt nicht an seine Stelle (Römer 11,17–24).

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Merkvers

Klagelieder 3,22-23

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Der Mann in Klagelieder 3 holt sich mitten im Elend etwas ins Gedächtnis (3,21). Was weißt du über Gott, das auch dann wahr bleibt, wenn du gerade nichts davon spürst?
  2. Fünfmal hält Kapitel 1 fest, dass kein Tröster da war. Wer sitzt in deiner Nähe gerade so da — und was hindert dich, hinzugehen?
  3. Klagelieder endet mit einer offenen Frage (5,22). Welche Frage an Gott hast du noch nie ausgesprochen, weil du dachtest, sie sei zu hart?