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Große Propheten · AT · Kapitel 24 von 66

Jeremia

Jesus ist der Gerechte Zweig.

Verfasser
Jeremia aus Anatot, ein Priestersohn; sein Schreiber Baruch hielt die Worte fest (36,4.32).
Entstehung
Juda und Jerusalem, vom dreizehnten Jahr des Königs Josia bis nach dem Fall der Stadt 586 v. Chr.; die letzten Worte ergehen in Ägypten.
Gattung
Prophetenbuch: Gerichtsreden in Gedichtform, Lebensberichte in Prosa und die persönlichen Klagen des Propheten.
Kernaussage
Gott lässt sein Volk in das angekündigte Gericht gehen und verspricht mitten darin die Heimkehr, einen gerechten König und einen neuen Bund.

Jeremia redet rund vierzig Jahre lang, und kaum jemand hört ihm zu. Er beginnt unter König Josia und erlebt das Ende mit: Babylon nimmt Jerusalem ein, brennt den Tempel nieder und verschleppt die Menschen. Genau das hatte er angesagt. Dafür galt er als Verräter, und sie ließen ihn in einer Zisterne im Schlamm stehen (38,6). Reden, Berichte und Gedichte stehen nebeneinander, nicht nach der Zeit geordnet. Und kein anderes Buch lässt den Propheten so nah heran: Er streitet mit Gott, verflucht den Tag seiner Geburt (20,14) und macht trotzdem weiter. Mitten in der Trümmergeschichte stehen die hellsten Kapitel: eine Heimkehr, ein König aus Davids Familie, ein Bund, den keiner mehr brechen kann. Am Schluss liegt Jerusalem in Asche. Die Zusage steht trotzdem.

Schlüsselstellen

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Jeremia 2,11–13Was ist das Grundproblem dieses Buches?MittelHeilslinie

Was hier steht

Jeremia stellt früh die Diagnose. Er schaut zu den Nachbarvölkern: Die wechseln ihre Götter nicht, obwohl das gar keine Götter sind. Israel dagegen hat den lebendigen Gott gegen etwas eingetauscht, das nicht helfen kann (2,11). Dann nennt Gott zwei Vergehen in einem Bild vom Wasser. Erstens: Sie haben die Quelle verlassen, aus der frisches Wasser kommt. Zweitens: Sie haben sich selbst Behälter in den Fels gehauen, und die sind undicht (2,13). In einem trockenen Land versteht das jedes Kind. Eine Quelle sprudelt von allein; eine Zisterne ist Handarbeit und nur so gut wie ihr Verputz. Das Problem ist nicht zuerst, dass die Leute Böses tun, sondern wohin sie ihren Durst tragen.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nicht. Aber Jesus nimmt genau dieses Bild auf. Am Brunnen bietet er einer Frau Wasser an, nach dem niemand wieder dürstet (Johannes 4,13–14). Am Fest ruft er die Durstigen zu sich (Johannes 7,37–38). Jeremia sagt, wo die Quelle steht. Jesus stellt sich an diesen Platz.

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Jeremia 7,1–11Warum schützt der Tempel nicht?StarkHeilslinie

Was hier steht

Jeremia soll sich ins Tor des Heiligtums stellen und die Leute ansprechen, die zum Gottesdienst hineingehen (7,2). Sie haben einen Satz, an dem sie sich festhalten: Hier steht Gottes Haus, also kann uns nichts geschehen (7,4). Jeremia nennt das eine Rede, die trügt. Gott knüpft sein Wohnen an Bedingungen: Recht untereinander, Schutz für Fremde, Waisen und Witwen, kein unschuldiges Blut, keine fremden Götter (7,5–6). Dann hält er ihnen die Liste vor: stehlen, morden, ehebrechen, falsch schwören — und danach im Tempel für gerettet halten (7,9–10). Ob sein Haus in ihren Augen ein Unterschlupf für Räuber sei, fragt Gott (7,11). Für diese Predigt wäre Jeremia später fast hingerichtet worden (26,7–11).

Der Christus-Bezug

Jesus nimmt Jeremias Frage selbst in den Mund. Als er im Tempel die Tische umwirft, begründet er das mit Jesaja 56,7 und Jeremia 7,11 (Markus 11,17). Er sagt es über das Haus, nicht über sich. Doch dasselbe Evangelium kündigt dessen Ende an (Markus 13,2), und Johannes berichtet, dass Jesus vom Tempel seines Leibes sprach (Johannes 2,19–21).

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Jeremia 23,1–6Wer weidet, wenn die Hirten versagen?MittelDirekte Prophetie

Was hier steht

Hirte ist im Alten Orient ein Wort für den König. Darum beginnt Kapitel 23 mit einem Weheruf über Judas Könige: Sie haben die Herde auseinandergetrieben, statt sie zusammenzuhalten (23,1–2). Dann sagt Gott, was er selbst tun wird. Er holt den Rest seiner Schafe aus der Verstreuung zurück (23,3) und setzt neue Hirten ein (23,4). Und dann der eine: Gott lässt für David einen gerechten Spross aufwachsen, einen König, der klug regiert und für Recht sorgt (23,5). Er bekommt einen Namen, in dem Gottes eigener Name und das Wort Gerechtigkeit zusammenstehen (23,6). Zedekia, der damals regierte, trug dieselben zwei Wörter im Namen. Unter ihm brach alles zusammen. Ein Name macht keinen gerechten König.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nicht. Es sagt aber beides von Jesus. Er nennt sich den guten Hirten (Johannes 10,11), und von seinem Sterben schreibt Johannes, es solle Gottes verstreute Kinder wieder zusammenführen (Johannes 11,51–52). Die andere Herde aus Johannes 10,16 ist nicht gemeint; dort geht es um die Völker.

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Jeremia 31,15–17Warum weint Rahel in Rama?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Die Kapitel 30 und 31 heißen das Trostbuch. Mitten hinein setzt Jeremia ein Bild größter Trauer. In Rama, nördlich von Jerusalem, ist Weinen zu hören. Rahel, die Stammmutter, klagt um ihre Kinder und nimmt keinen Trost an, weil sie fort sind (31,15). Rahel war seit Jahrhunderten tot. Sie steht für die Mütter, deren Söhne verschleppt wurden; Rama war der Sammelplatz auf dem Weg nach Babylon (40,1). Gott antwortet der Weinenden: Sie soll aufhören zu weinen, ihre Mühe bekommt Lohn, und die Kinder kehren in ihr Gebiet zurück (31,16–17). Zwei Verbindungsarten kommen in Frage; wir nehmen die schwächere. Denn Matthäus setzt die Erfüllungsformel über die Lage um Jesus, nicht über ihn.

Der Christus-Bezug

Matthäus führt diesen Vers mit der Erfüllungsformel ein (Matthäus 2,17–18). Bei ihm steht er über den Kindern Bethlehems, die Herodes töten ließ. Der Vers sagt nichts über Jesus selbst, sondern über die Mütter. Er zeigt die Welt, in die Jesus hineingeboren wurde, und hält eine Erwartung offen. Wer bei Jeremia weiterliest, findet die Antwort Gottes gleich daneben.

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Jeremia 31,31–34Was ist am neuen Bund neu?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Bund heißt: Gott bindet sich durch ein Versprechen. Am Sinai hat er das getan, das Volk hat zugesagt. Jeremia sagt nüchtern, was daraus wurde: Der Bund ist gebrochen, und zwar von der einen Seite (31,32). Trotzdem kündigt Gott einen neuen an — mit demselben Volk, dem Haus Israel und dem Haus Juda (31,31). Vier Zusagen stehen darin. Gott legt seine Weisung nach innen, in die Herzen. Er bleibt ihr Gott, sie bleiben sein Volk. Keiner muss den anderen mehr anleiten, Gott zu kennen. Und Gott vergibt die Schuld und denkt nicht mehr daran (31,33–34). Neu ist nicht der Inhalt der Weisung. Neu ist der Ort: nicht Steintafeln, sondern der Mensch.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht diesen Abschnitt ausdrücklich auf Jesus. Der Hebräerbrief gibt ihn vollständig wieder (Hebräer 8,8–12) und nennt Jesus den Mittler dieses besseren Bundes (8,6; 9,15). Später zitiert er den Schluss erneut: Wo Gott die Schuld wegtat, braucht es kein Opfer mehr (10,15–18). Beim letzten Mahl sprach Jesus vom neuen Bund, den sein Blut stiftet (Lukas 22,20).

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Jeremia 33,14–18Wer bekommt den Namen — der König oder die Stadt?MittelDirekte Prophetie

Was hier steht

Jeremia sitzt eingesperrt im Wachhof des Palastes, während die Babylonier vor der Stadt stehen (33,1). Genau da wiederholt Gott seine Zusage. Er will das gute Wort einlösen, das er gegeben hat (33,14). Wieder lässt er David einen Spross hervorwachsen, wieder sorgt dieser für Recht (33,15). Ein Unterschied fällt auf. In Kapitel 23 bekommt der König den Namen; hier trägt ihn die Stadt (33,16). Was einem gehört, wird der Gemeinschaft angezogen. Dann folgt eine doppelte Zusage: Davids Haus behält den Thron, die Priester aus Levi behalten ihren Dienst (33,17–18). Beides war bedroht, beides brach kurz darauf ab. Gott hängt sein Versprechen trotzdem an die Ordnung von Tag und Nacht (33,20–21).

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nicht. König und Priester stehen hier nebeneinander, und in Jesus kommen beide zusammen. Beim Priesterdienst geht der Hebräerbrief allerdings einen anderen Weg: Jesus stammt aus Juda, nicht aus Levi (Hebräer 7,13–17). Paulus nimmt das Stichwort Gerechtigkeit auf, ohne Jeremia zu nennen (1. Korinther 1,30).

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Bilder, die auf ihn zeigen

Der Prophet, den sie wegschaffen wollen wie ein Schlachttier erfüllt in Das Lamm Gottes

Jeremia merkt spät, dass seine Leute aus Anatot ihn beseitigen wollen, und vergleicht sich mit einem zahmen Lamm vor der Schlachtbank (11,18–19). Die Kirche hat darin seit je ein Vorausbild gesehen; das Neue Testament zieht die Linie nicht — Apostelgeschichte 8,32 liest Jesaja. Die Bruchstelle steht eine Zeile weiter: Jeremia bittet Gott um Vergeltung an diesen Leuten (11,20; ebenso 18,21; 20,12). Darin liegt die Steigerung: Jeremia fordert Rache, das Lamm Gottes trägt sie und bittet für seine Henker um Vergebung (Lukas 23,34).

Jeremia 11,18-19 · Johannes 1,29; Lukas 23,34; Apostelgeschichte 8,32 (zu Jesaja 53,7)

Merkvers

Jeremia 31,33

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Jeremia nennt zwei Vergehen: die Quelle verlassen und sich selbst etwas Undichtes bauen (2,13). Welche eigene Zisterne fällt dir ein — etwas, das du dir selbst zusammengebaut hast, damit es dich trägt?
  2. Die Leute glaubten, das Gebäude schütze sie (7,4). Woran hängt bei dir die Sicherheit, dass es zwischen dir und Gott in Ordnung ist?
  3. Gott sagt zu, seine Weisung in Herzen zu schreiben (31,33). Wo in deinem Leben merkst du, dass du etwas willst, was du früher nur gesollt hast — und wo fehlt dir das noch?