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Große Propheten · AT · Kapitel 23 von 66

Jesaja

Jesus ist der leidende Knecht.

Verfasser
Der Prophet Jesaja, Sohn des Amoz, der in Jerusalem unter vier Königen von Juda auftrat (1,1).
Entstehung
Jerusalem, etwa 740–680 v. Chr. — vom Todesjahr des Königs Usija (6,1) bis über die Belagerung durch Assyrien hinaus (Kapitel 36–37).
Gattung
Prophetenbuch: Gerichtsreden, Trostreden und Abschnitte über einen Knecht Gottes, dazwischen ein erzählender Mittelteil.
Kernaussage
Gott hält Gericht über sein Volk und über die Weltmächte — und rettet durch einen Knecht, der die Schuld anderer auf sich nimmt.

Jesaja ist das längste Prophetenbuch der Bibel: 66 Kapitel. Der Prophet lebt in Jerusalem und redet dort vierzig Jahre lang, unter vier Königen. Assyrien walzt ein Land nach dem anderen nieder, Juda sucht Bündnispartner. Jesaja sagt: keinen. Vertraut Gott. Die ersten Kapitel sind hart. Der Gottesdienst läuft weiter, während das Recht am Boden liegt (1,11–17). Immer wieder bricht das Buch auf: Ein Kind wird geboren, ein Trieb wächst aus einem abgehauenen Stamm. Ab Kapitel 40 wechselt der Ton. Jetzt tröstet es Leute, die längst in der Verbannung sitzen. Vier Abschnitte erzählen dort von einem Knecht Gottes. Er schreit nicht, weicht nicht zurück und stirbt zuletzt für andere. Am Schluss steht ein Himmel und eine Erde, die Gott neu macht (65,17).

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Jesaja 7,10-14Was war das Zeichen für König Ahas?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Juda steckt in der Klemme. Syrien und das Nordreich wollen ihn in ihr Bündnis gegen Assyrien zwingen (7,1–2). Jesaja tritt vor den König: Halt still, daraus wird nichts (7,4–7). Gott bietet ein Zeichen an, so tief oder hoch Ahas will (7,11). Ahas lehnt ab; es klingt fromm (7,12). In Wahrheit ruft er längst Assyrien (2. Könige 16,7). Gott gibt es trotzdem, jetzt dem ganzen Haus David (7,13–14). Eine Frau bekommt einen Sohn und nennt ihn Immanuel: Gott mit uns. Schlachter 2000 übersetzt Jungfrau, ebenso die griechische Bibel, die jüdische Übersetzer lange vor Matthäus anfertigten. Das hebräische Wort meint eine junge Frau im heiratsfähigen Alter; von einer verheirateten gebraucht es das Alte Testament nie. Bevor der Junge Gut und Böse unterscheiden kann, sind die beiden gefürchteten Reiche leer (7,16).

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht diese Zeile ausdrücklich auf Jesus. Matthäus zitiert sie mit Erfüllungsformel und übersetzt den Namen sogar für seine Leser (Matthäus 1,22–23). Es ist das erste Erfüllungszitat des Neuen Testaments. Das Zeichen für Ahas blieb in seiner Zeit. Die Zusage blieb offen und war größer als ihr erster Anlass. Bei Maria kam sie an.

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Jesaja 8,23–9,6Wem gilt das Licht — und wer ist das Kind?StarkErfüllungszitat

Was hier steht

Vorher steht nur Dunkelheit: Totenbefragung, Hunger, kein Morgenrot (8,19–22). Der Umschlag steht in einem einzigen Vers: Jesaja 8,23 nennt Sebulon, Naphtali und das Gebiet der Heiden. Gemeint ist der Norden um den See Gennesaret, den Assyrien zuerst abtrennte; gerade dieses verlorene Land soll zu Ehren kommen. Erst danach fällt das Licht (9,1), und das Volk sieht es, bevor etwas geschehen ist. Drei Gründe folgen: das zerbrochene Joch, die verbrannten Soldatenstiefel, ein geborenes Kind (9,3–5). Schlachter 2000 gibt diesem Kind fünf Namen; Luther zieht die ersten beiden zu Wunder-Rat zusammen und zählt vier. Einer nennt es starker Gott — dasselbe Wort sagt Jesaja kurz darauf von Gott selbst (10,21). Seine Herrschaft steht auf Davids Thron und hört nie auf (9,6). Diese Namen zitiert das Neue Testament nirgends; darum bleibt die ganze Stelle bei stark. Zählung: Deutsch 8,23 heißt englisch und russisch 9,1; alles Weitere verschiebt sich um eins.

Der Christus-Bezug

Matthäus zitiert genau diesen Anfang mit Erfüllungsformel: Jesus zieht nach Kapernaum, und damit erfülle sich, was Jesaja über Sebulon, Naphtali und das Galiläa der Heiden gesagt hat (Matthäus 4,14–16). Von da an predigt er. Die Namen des Kindes zitiert das Neue Testament nirgends. Nach demselben Muster aber sagt der Engel zu Maria, ihr Sohn bekomme Davids Thron und ein Reich ohne Ende (Lukas 1,32–33).

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Jesaja 42,1-4Wie arbeitet dieser Knecht?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Das erste der vier Lieder. Gott stellt seinen Knecht vor: Er hält ihn, hat ihn ausgewählt und rüstet ihn mit seinem Geist aus. Sein Auftrag reicht über Israel hinaus zu den Völkern. Er soll das Recht hinaustragen — Gottes gute Ordnung, nicht ein Urteil vor Gericht. Dann sagt der Text vor allem, wie er es nicht tut: kein Geschrei, keine Rede auf der Gasse (42,2). Zwei Bilder sagen den Rest. Ein Schilfrohr, das schon geknickt ist, bricht er nicht vollends ab. Einen Docht, der nur noch qualmt, drückt er nicht aus (42,3). Beides wirft man sonst weg — er nicht. Und er gibt nicht auf, bis das Recht wirklich steht (42,4).

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht dieses Lied ausdrücklich auf Jesus. Matthäus zitiert alle vier Verse, nachdem Jesus viele geheilt und ihnen verboten hatte, ihn bekannt zu machen (Matthäus 12,15–21). Auch bei der Taufe fällt beides zusammen: Der Geist kommt auf ihn, und die Stimme vom Himmel nennt ihn den Sohn, an dem Gott Freude hat (Matthäus 3,16–17).

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Jesaja 50,4-7Warum hält der Knecht still?SchwachFromme Analogie

Was hier steht

Im dritten Lied redet der Knecht selbst. Er fängt nicht bei seinem Leiden an, sondern bei seinem Ohr. Gott weckt ihn jeden Morgen und öffnet ihm das Ohr, damit er hört wie ein Schüler (50,4–5). Daraus kommt sein Dienst: müde Leute mit einem einzigen Wort wieder aufrichten. Erst danach kommt der Rücken. Er hält ihn denen hin, die zuschlagen, und wehrt Spott und Spucke nicht ab (50,6). Der Grund steht daneben: Gott hilft ihm, deshalb macht er sein Gesicht hart wie einen Stein (50,7). Er schweigt nicht aus Schwäche, sondern weil ein anderer seinen Fall führt (50,8–9). Ohr, Rücken, Wangen, Gesicht — mehr steht hier nicht, und das Neue Testament zitiert den Abschnitt nirgends. Wir führen ihn als Bild, nicht als Weissagung.

Der Christus-Bezug

Als Bild gesprochen: Die Passionsberichte erzählen genau diese Züge. Man schlägt Jesus ins Gesicht, spuckt ihn an und verhöhnt ihn, und er wehrt sich nicht (Markus 14,65; 15,19). Lukas schreibt, Jesus habe sein Gesicht fest auf Jerusalem gerichtet, obwohl er wusste, was dort wartet (Lukas 9,51). Das Bild ist stark. Es bleibt ein Bild, kein Beweis.

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Jesaja 53,1-6Wessen Schuld trägt der Knecht?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Das vierte Lied beginnt schon vorher: Der Knecht steigt sehr hoch (52,13). Kapitel 53 fängt dann mit einer Klage an: Wer hat das geglaubt? Da reden Leute, die zuerst nichts an ihm fanden. Er wächst auf wie ein dünner Trieb in trockener Erde (53,2). Wir sehen weg (53,3). Dann kommt der Umschlag, und er hängt an einem Wort: unsere. Was uns krank und elend machte, hat er auf sich genommen; wir hielten es für Gottes Strafe an ihm (53,4). Vers 5 wird ganz genau. Vier Wörter sagen, was ihm geschieht: durchbohrt, zerschlagen, gestraft, verwundet. Zwei sagen, was dabei herauskommt: Friede und Heilung. Hier gebraucht der Text das Wort geheilt selbst. Der Knecht trägt die Folgen fremder Schuld am eigenen Leib. Vers 6 sagt, wer die Fremden sind: alle. Jeder lief in seine Richtung wie Vieh ohne Hirten, und Gott legte die Schuld aller auf diesen einen.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht diese Verse ausdrücklich auf Jesus. Matthäus zitiert Vers 4 am Ende eines Abends voller Heilungen (Matthäus 8,16–17). Petrus nimmt die Verse 5 und 6 auf und deutet sie auf Schuld und Umkehr: Wir seien zum Hirten zurückgekommen (1. Petrus 2,24–25). Johannes zitiert Vers 1, um zu erklären, warum so viele nicht glaubten (Johannes 12,38).

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Jesaja 53,7-12Wie endet dieses Lied?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Jetzt wird der Knecht abgeführt, und er sagt nichts. Zweimal betont der Text sein Schweigen: beim Misshandeln und dann, als man ihn wegbringt wie ein Tier zum Schlachten (53,7). Ein Verfahren räumt ihn aus dem Weg; er wird aus dem Land der Lebenden gerissen (53,8). Sein Grab wird bei Verbrechern angesetzt, und er landet trotzdem bei einem Reichen (53,9) — obwohl er nie Unrecht getan hat. Dann dreht das Lied. Gott selbst wollte diesen Weg: Das Leben des Knechts wird zum Schuldopfer, und danach sieht er Nachkommen und wird satt (53,10–11). Ein Toter bekommt Zukunft. Der eine Gerechte macht viele gerecht, weil er ihre Schuld trägt. Und zuletzt betet er für die Schuldigen (53,12).

Der Christus-Bezug

Hier ist die Beleglage am stärksten. Ein Beamter aus Äthiopien liest diese Verse und fragt, wen der Prophet meine — sich oder einen anderen. Philippus antwortet, indem er ihm von Jesus erzählt (Apostelgeschichte 8,32–35). Jesus selbst legt Vers 12 auf sich: Das Wort über den, der zu den Verbrechern gezählt wird, gehe jetzt in Erfüllung (Lukas 22,37).

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Merkvers

Jesaja 53,5

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Jesaja 42,3 sagt, dass der Knecht ein geknicktes Rohr nicht abbricht. Wen hast du innerlich schon abgeschrieben — und was wäre ein erster Schritt zurück zu ihm?
  2. Der Knecht schweigt, obwohl er im Recht ist (Jesaja 53,7). Wo fällt es dir am schwersten, dich nicht zu verteidigen?
  3. In Jesaja 53,6 geht jeder seinen eigenen Weg. Wo läuft dein Weg gerade an Gott vorbei, ohne dass es jemand merkt?