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Große Propheten · AT · Kapitel 26 von 66

Hesekiel

Jesus ist der Gute Hirte.

Verfasser
Hesekiel, ein Priester, Sohn Busis — nach Babylon verschleppt und dort zum Propheten berufen (1,3).
Entstehung
Babylon, an einem Kanal namens Kebar; die Datierungen im Buch reichen vom fünften bis zum siebenundzwanzigsten Jahr nach der Wegführung Jojachins, also etwa 593 bis 571 v. Chr.
Gattung
Prophetenbuch in der Ichform: genau datierte Gottesworte, große Visionen und Zeichenhandlungen.
Kernaussage
Gott verlässt seinen entweihten Tempel und richtet sein Volk — und derselbe Gott kommt zurück, tauscht die Herzen aus und weidet seine Herde selbst.

Hesekiel ist Priester, ein Sohn Busis (1,3). Eingesetzt wird er nicht am Tempel, sondern an einem Kanal in Babylon (1,1–3). Dorthin verschleppt wurde er mit König Jojachin und der Oberschicht Jerusalems; fünf Jahre danach ergeht Gottes Wort an ihn (1,2–3). Es ist das seltsamste Prophetenbuch der Bibel: Hesekiel belagert eine Ziegelplatte, liegt monatelang auf einer Seite, wiegt seine Rationen ab, schert sich den Kopf. Sein Auftrag ist zunächst hart. Er soll den Verschleppten sagen, dass Jerusalem fallen wird, und sie glauben ihm nicht. Dann kommt der Flüchtling mit der Nachricht: Die Stadt ist gefallen (33,21). Ab da wechselt der Ton. Aus der Anklage wird Zusage. Neue Herzen, ein Bund, der nicht ausläuft, ein Hirte, ein Tempel, aus dem Wasser fließt.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Hesekiel 11,22–23Wohin geht Gott, wenn sein Haus unrein wird?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Hesekiel wird im Gesicht nach Jerusalem versetzt. Er sieht, was im Tempel läuft: fremde Bilder, heimliche Kulte, Anbetung der Sonne mit dem Rücken zum Heiligtum (8,5–16). Danach setzt sich Gottes Herrlichkeit in Bewegung. Sie geht von der Schwelle weg (10,18), hält am Osttor (10,19) und steigt zuletzt mitten aus der Stadt auf. Über dem Berg östlich von Jerusalem bleibt sie stehen (11,23) — dem Ölberg. Das ist der schwerste Satz des Buches. Nicht Babylon besiegt Gott. Gott geht selbst. Der Tempel fällt später, weil er längst leer war. Hesekiel sagt das Leuten, deren Hoffnung an diesem Gebäude hing. Dasselbe Buch sagt später: Von Osten her kommt die Herrlichkeit zurück (43,1–5).

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nicht. Beide Bewegungen kehren dort wieder. Jesus verlässt den Tempel und sagt dem Haus sein Ende an (Matthäus 23,38). Bei Johannes wird das Wort Mensch und wohnt unter uns — dort ist die Herrlichkeit zu sehen (Johannes 1,14). Gott zog wieder ein, nur nicht in ein Gebäude.

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Hesekiel 34,1–10Was macht einen Hirten zum schlechten Hirten?MittelTypologie Institution

Was hier steht

Hirte war damals ein Wort für den Herrscher. Gott klagt hier also die Könige und Führer Israels an. Der Vorwurf ist nicht Härte im Allgemeinen, sondern etwas sehr Genaues: Sie leben von der Herde und arbeiten nicht für sie. Wolle, Fett und Fleisch nehmen sie; das Schwache, das Kranke, das Verwundete, das Verirrte lassen sie liegen (34,3–4). Die Folge steht in Vers 5. Die Schafe laufen auseinander, weil niemand da ist, der auf sie achtet. Gott macht daraus keinen Vorschlag zur Verbesserung, sondern zieht eine Konsequenz: Er entzieht ihnen die Herde (34,10). Das Amt bleibt bestehen, die Amtsträger nicht. Wer heute in einer Gemeinde Verantwortung trägt, sollte dieses Stück langsam lesen.

Der Christus-Bezug

Der Text weist über sich hinaus auf einen Hirten, der bleibt; das Neue Testament zitiert Hesekiel 34 nicht. Jesus stellt dieselben zwei Gestalten nebeneinander: Wer für Lohn arbeitet, läuft weg, sobald es gefährlich wird (Johannes 10,12–13). Und die Menge ohne Hirten aus Vers 5 findet er vor sich wieder (Matthäus 9,36). Berührungen sind das, kein zitierter Wortlaut.

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Hesekiel 34,11–16Wer sucht die Schafe, wenn kein Hirte da ist?StarkHeilslinie

Was hier steht

Jetzt redet Gott von sich in der ersten Person: Er übernimmt persönlich. Er sucht, er sammelt aus den Ländern ein, er bringt heim, er weidet (34,11–15). In Vers 16 greift er die Liste aus Vers 4 auf und dreht sie um — nicht ganz: Vier der fünf Glieder kehren wieder, das Heilen des Kranken fehlt. Rührselig ist das nicht. Im selben Vers sagt Gott, dass er das Fette und Starke abtut, und gleich danach spricht er Recht: zwischen fetten und mageren Schafen, zwischen denen, die drängeln, und denen, die weggedrängt werden (34,17–22). Der Hirte ist zugleich Richter. Die Zusage gilt einem wirklichen Volk in wirklicher Verbannung.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster erzählt Jesus vom Mann, der ein verlorenes Schaf sucht, bis er es findet (Lukas 15,4–6). Über sich selbst sagt er: Sein Auftrag gilt dem Verlorenen — finden und retten (Lukas 19,10). Was Gott sich in Hesekiel 34 vorbehält, tut in den Evangelien dieser eine. Ein Zitat ist es nicht; die Linie ist eindeutig.

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Hesekiel 34,23–24Wie kann David Hirte sein, wenn er längst tot ist?StarkHeilslinie

Was hier steht

Neben die Zusage, dass Gott selbst weidet, stellt derselbe Abschnitt einen zweiten Hirten: einen Knecht mit dem Namen David (34,23). David war zu Hesekiels Zeit seit rund vierhundert Jahren tot. Gemeint ist kein Wiedergänger, sondern einer aus seiner Linie, der endlich tut, wozu das Königtum da war. Vers 24 verteilt die Rollen genau: Gott bleibt der Gott seines Volkes, dieser Knecht ist Fürst mitten unter ihnen. Auffällig ist die Zahl. Seit der Reichsteilung gab es zwei Königreiche; hier ist von einem einzigen Hirten die Rede. Hesekiel 37,24 wiederholt das und nennt ihn zusätzlich König. Kein Herrscher nach der Rückkehr aus Babylon hat das eingelöst. Die Zusage blieb offen.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster redet Johannes 10. Jesus spricht von Schafen, die noch nicht zu dieser Hürde gehören, und sagt, am Ende gebe es eine Herde und einen Hirten (Johannes 10,16). Hesekiel wird nicht zitiert; die Wortwahl stammt von dort. Petrus schreibt seiner Gemeinde, sie sei zum Hirten ihrer Seelen zurückgekehrt, nachdem sie sich verlaufen hatte (1. Petrus 2,25).

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Hesekiel 36,25–27Warum reicht ein guter Vorsatz nicht?StarkHeilslinie

Was hier steht

Vorher sagt Gott, warum er handelt: nicht wegen Israels Verdienst, sondern weil sein Name unter den Völkern in Verruf steht (36,22). Dann kommen drei Schritte. Erstens reinigt er mit Wasser (36,25) — Bildsprache aus dem Priesterdienst, den Hesekiel gelernt hatte. Zweitens tauscht er das Herz aus: Das harte kommt weg, ein Herz aus Fleisch kommt hinein (36,26). Herz meint in der Bibel nicht Gefühl, sondern die Mitte, in der ein Mensch entscheidet. Drittens legt Gott seinen Geist hinein und bewirkt, dass sie nach seinen Ordnungen leben (36,27). Der Bund wird nicht erleichtert. Der Mensch wird verändert. Auffällig ist, wer handelt: In allen drei Schritten tut Gott etwas. So schon in 11,19–20.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster spricht Jesus mit Nikodemus: Ohne eine Geburt aus Wasser und Geist kommt niemand in Gottes Reich (Johannes 3,5). Was Hesekiel Gott zuschreibt — reinigen und den Geist geben —, geschieht nach Titus 3,5–6 durch Jesus Christus: Er gießt den Geist aus. Johannes der Täufer sagt es so: Er tauft mit dem Heiligen Geist (Johannes 1,33).

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Hesekiel 37,24–28Was hält am Ende zusammen, was auseinandergefallen war?StarkHeilslinie

Was hier steht

Vorher hat Hesekiel eine Ebene voller trockener Knochen gesehen. Gott sagt ihm, wer gemeint ist: das Volk Israel, dessen Hoffnung erloschen ist (37,11). Danach fügt der Prophet zwei Holzstäbe zusammen, Juda und Josef — die beiden zerrissenen Reiche (37,15–22). Am Schluss steht wieder der eine Hirte, der Knecht David, diesmal ausdrücklich König genannt (37,24). Dazu drei Zusagen: ein Friedensbund, der nicht ausläuft, ein Heiligtum für immer mitten unter ihnen, und Gott, der bei ihnen wohnt (37,26–27). Vom Friedensbund war schon 34,25 die Rede, direkt nach der Einsetzung des Hirten. Das Land bleibt im Blick, das Volk bleibt das Volk. Israel wird nicht abgelöst. Was fehlt, ist die Einlösung.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster bindet der Hebräerbrief Hirte und Bund an einen Namen: Gott hat Jesus aus dem Tod heraufgeführt, den großen Hirten, und dahinter steht ein ewiger Bund (Hebräer 13,20). Für den besseren Bund bürgt er selbst (Hebräer 7,22). Am Ende der Bibel steht die Zusage noch einmal, jetzt als Gottes Zelt unter den Menschen (Offenbarung 21,3).

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Merkvers

Hesekiel 34,11

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Hesekiel 34,4 zählt fünf Dinge auf, die die Hirten nicht getan haben: stärken, heilen, verbinden, zurückholen, suchen. Welches dieser fünf Worte beschreibt, was du gerade selbst brauchst?
  2. Gott sagt, er nehme sich seiner Schafe selbst an (34,11). Wo ist dir jemand nachgegangen, ohne dass du darum gebeten hast?
  3. Hesekiel 36,26 verspricht ein neues Herz an der Stelle eines harten. Was in deinem Denken ist über die Jahre hart geworden — und wann hast du zuletzt gebetet, dass Gott es ändert?