Lukas
Jesus ist der Menschensohn.
- Verfasser
- Lukas, Arzt und Reisebegleiter des Paulus (Kolosser 4,14; Philemon 24; 2. Timotheus 4,11).
- Entstehung
- Ein geordneter Bericht für einen Mann namens Theophilus, zusammengestellt aus Nachforschung bei Augenzeugen (1,1–4); die Fortsetzung ist die Apostelgeschichte.
- Gattung
- Evangelium in Form eines Geschichtswerks — mit Widmung, Quellenangabe und Zweckangabe im Vorwort.
- Kernaussage
- Gott hat den Retter geschickt, und dieser Retter geht denen nach, die sonst niemand sucht — bis die Botschaft bei allen Völkern ankommt.
Lukas hat 24 Kapitel — vier weniger als Matthäus. Trotzdem ist es das längste Evangelium, und mit der Apostelgeschichte zusammen hat dieser eine Schreiber mehr Seiten im Neuen Testament als jeder andere. Er war Arzt und reiste mit Paulus. Zu den Zwölf gehörte er nicht, und Jesus hat er wohl nie gesehen. Darum fängt er anders an als die anderen drei: mit einem Vorwort. Er sei allem genau nachgegangen und habe bei Augenzeugen nachgefragt; nun ordne er es für einen Mann namens Theophilus (1,1–4). Wer weiterliest, merkt schnell, wen dieser Bericht im Blick hat. Von der Geburt erfahren zuerst Hirten. Frauen werden mit Namen genannt und tragen die Arbeit mit (8,1–3). Samariter kommen gut weg, Zöllner kehren um, Arme bekommen Recht. Etwa ein Drittel des Buches steht in keinem anderen Evangelium: der barmherzige Samariter, der verlorene Sohn, Zachäus, der Mann am Kreuz, der Weg nach Emmaus. Am Schluss hört das Buch nicht auf. Es geht weiter in einem zweiten Band.
Schlüsselstellen
6 von 6 sichtbarLukas 2,8–14Wem sagt der Engel es zuerst?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Lukas stellt die Geburt zuerst in die große Politik: ein Erlass aus Rom, eine Zählung, ein Weg nach Bethlehem (2,1–5). Dann dreht er die Kamera weg. Die Nachricht geht nicht an einen Hof, sondern an Hirten, die nachts draußen bei ihren Tieren bleiben. Über ihren Rang sagt Lukas nichts. Er sagt nur, wo sie sind: draußen, im Dunkeln, bei der Arbeit. Ihnen sagt der Engel, dass diese Freude dem ganzen Volk gilt, und legt dem Kind drei Namen bei: Retter, Christus, Herr (2,11). Retter und Herr waren im römischen Reich Ehrentitel des Kaisers. Lukas hängt sie einem Neugeborenen an, das in einem Futtertrog liegt. Auch das Erkennungszeichen passt dazu: keine Machtprobe, sondern Windeln und eine Krippe (2,12).
Der Christus-Bezug
Nur hier nennt ein Evangelium Jesus schon in der Geburtsnacht Retter. Matthäus und Markus gebrauchen dieses Wort für ihn nie. Lukas gebraucht es weiter: In seinem zweiten Band sagt Petrus, Gott habe Jesus zum Anführer und Retter erhöht (Apostelgeschichte 5,31), und kein anderer Name rette uns (4,12). Paulus bindet denselben Titel ausdrücklich an Gottes Zusage für Israel: Aus Davids Nachkommen hat Gott den Retter kommen lassen, wie versprochen (Apostelgeschichte 13,23).
Lukas 4,16–21Was liest Jesus in Nazareth vor?Sehr starkErfüllungszitat
Was hier steht
Jesus kommt in den Ort zurück, in dem er groß geworden ist, und geht am Sabbat in die Synagoge. Man reicht ihm die Rolle des Propheten Jesaja. Er liest aus Jesaja 61: vom Geist Gottes, der auf einem Gesalbten ruht, von guter Nachricht für Arme, von Freiheit für Gefangene, von Augenlicht für Blinde. Gesalbt heißt: von Gott für einen Auftrag ausgesucht. Dann bricht Jesus mitten im Satz ab. Der Tag der Vergeltung, der bei Jesaja folgt, bleibt ungelesen. Er rollt zusammen, setzt sich, alle schauen ihn an. Sein erster Satz beginnt mit einem Datum: heute. Kurz darauf kippt die Stimmung, weil er von zwei Menschen außerhalb Israels erzählt, denen Gott geholfen hat (4,25–27).
Der Christus-Bezug
Hier legt nicht das Neue Testament einen alten Text auf Jesus aus — Jesus tut es selbst. Er nimmt ein Prophetenwort und sagt, dass es an diesem Tag eintrifft. Deutlicher geht es nicht, und keiner der anderen Evangelisten überliefert die Szene. Petrus fasst sie später in einem Satz zusammen: Gott habe diesen Jesus gesalbt und ausgerüstet (Apostelgeschichte 10,38).
Lukas 15,1–32Warum drei Geschichten hintereinander?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Das Kapitel beginnt mit einem Vorwurf. Zöllner und Leute mit schlechtem Ruf drängen sich um Jesus, und die Frommen murren: Der isst mit solchen Menschen (15,1–2). Zöllner arbeiteten für die Besatzungsmacht und verdienten am Aufschlag. Auf diesen einen Vorwurf antwortet Jesus mit drei Geschichten: ein Schaf, eine Münze, ein Sohn. Jedes Mal derselbe Ablauf: Etwas ist weg, jemand sucht, es wird gefunden, und dann wird gefeiert. In der dritten Geschichte sucht der Vater nicht. Er wartet — und läuft dem Sohn dann entgegen (15,20). Am Ende steht der ältere Bruder draußen und will nicht mitfeiern, und über ihn fällt kein Urteil (15,25–32). Die Tür bleibt offen. Dieses Kapitel steht in keinem anderen Evangelium.
Der Christus-Bezug
Jesus erklärt in diesen Bildern zuerst Gottes Freude, nicht sich selbst. Dass er der Hirte ist, der loszieht, sagt Kapitel 15 nicht ausdrücklich; diesen Satz spricht er bei Johannes (Johannes 10,11). Nach demselben Muster handelt er aber im selben Buch: Der Vorwurf von 15,2 kehrt in 19,7 wieder, und dort antwortet er mit einem Satz über sich selbst (19,10).
Lukas 19,1–10Wo treffen sich Menschensohn und Suchen?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Jericho, kurz vor dem letzten Aufstieg nach Jerusalem. Zachäus ist Oberzöllner und reich — in den Augen der Stadt zweifach unmöglich, denn sein Geld kam von Nachbarn und floss zur Besatzungsmacht. Er will Jesus sehen und ist zu klein dafür. Also rennt er voraus und klettert auf einen Baum. Jesus bleibt stehen, schaut hoch, redet ihn mit Namen an und lädt sich bei ihm ein. Die Menge murrt, mit demselben Wort wie in 15,2. Zachäus gibt darauf die Hälfte seines Vermögens den Armen und ersetzt Betrug vierfach. Vierfach verlangt das Gesetz beim gestohlenen Schaf (2. Mose 21,37; englische Bibeln zählen 22,1); für Betrug hätte der Wert plus ein Fünftel gereicht (3. Mose 5,24). Zachäus wählt die härteste Bestimmung. Jesus nennt ihn einen Sohn Abrahams: Der Zöllner wird nicht aus Israel herausgelöst, sondern hineingeholt. Dann folgt der Satz, der das Buch zusammenfasst (19,10).
Der Christus-Bezug
In diesem einen Satz laufen zwei Linien zusammen. Der Name kommt aus Daniel 7,13, wo einer wie ein Mensch die Herrschaft empfängt. Der Auftrag klingt nach dem, was Gott in Hesekiel 34 selbst zusagt: Er will die verstreuten Tiere suchen. Das Neue Testament zieht diese Linie an keiner Stelle ausdrücklich — die Ähnlichkeit ist trotzdem schwer zu überhören. Paulus fasst den Satz später in einem Merkwort zusammen (1. Timotheus 1,15).
Lukas 22,66–70Was sagt Jesus vor dem Hohen Rat?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Bei Tagesanbruch tritt der Rat zusammen und stellt die entscheidende Frage: Bist du der Christus? Jesus geht nicht darauf ein. Eine Antwort würde ihnen nichts nützen, sagt er, weil sie ohnehin nicht glauben. Dann sagt er doch etwas, und es ist mehr, als sie gefragt hatten: Von jetzt an werde der Menschensohn an Gottes rechter Seite sitzen, dort, wo die Macht ist (22,69). Das ist ein Doppelsatz aus zwei alten Texten. Der Platz zur Rechten kommt aus Psalm 110,1, der Menschensohn aus Daniel 7,13. Zweierlei fällt auf. Markus überliefert hier auch die Wolken aus Daniel; Lukas lässt sie weg. Und Lukas setzt ein Wort davor: von jetzt an. Die Einsetzung beginnt nicht irgendwann, sondern in dieser Nacht, beim Angeklagten.
Der Christus-Bezug
Hier trägt der Titel dieses Buches am deutlichsten — und zeigt zugleich nach hinten, zu Daniel. Bei Lukas steht die kürzere Form: eine Anspielung, kein volles Zitat. Wer den Wortlaut Daniels sucht, findet ihn bei Markus 14,62. Dafür schreibt Lukas als Einziger, wie es weitergeht: Stephanus sieht denselben Menschensohn stehen, nicht sitzen (Apostelgeschichte 7,56). Zwischen beiden Sätzen liegt das Kreuz, und Lukas erzählt genau diesen Weg.
Lukas 24,44–49Wie liest man die Bibel nach Ostern?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Es ist noch derselbe Sonntag. Die zwei von Emmaus sind zurück, der Auferstandene steht mitten unter ihnen. Er erinnert sie an das, was er früher gesagt hatte: Was über ihn geschrieben steht, muss eintreffen. Dabei nennt er die drei Teile der hebräischen Bibel — Gesetz, Propheten, Psalmen. Er reicht keine Liste einzelner Stellen herüber. Er nennt den Bereich, in dem gesucht wird. Dann öffnet er ihnen den Verstand für die Schriften (24,45). Was sie begreifen, fasst er in drei Punkten: Der Christus leidet, er steht am dritten Tag auf, und in seinem Namen wird Umkehr und Vergebung ausgerufen — bei allen Völkern, angefangen in Jerusalem. Zuletzt sagt er zu, was der Vater versprochen hat, und lässt sie warten, bis Kraft von oben da ist.
Der Christus-Bezug
Auf diesem Abschnitt steht ein Werk wie dieses. Jesus nennt keinen einzelnen Beleg und zitiert hier keinen Vers. Er nennt den ganzen Umfang: Gesetz, Propheten, Psalmen — dort steht, was über ihn geschrieben ist. Das ist die Erlaubnis, im ganzen Alten Testament nach ihm zu suchen. Es ist nicht die Behauptung, jede Zeile rede von ihm. Genau diesen Unterschied hält dieses Buch durch: Was das Neue Testament ausdrücklich sagt, sagen wir nach; was wir hineinlesen, nennen wir Lesart.
Merkvers
Lukas 19,10
Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.
Zum Weiterdenken
- Die Hirten hörten es zuerst, obwohl ihr Wort damals wenig galt. Wen übersehen wir, wenn wir eine gute Nachricht weitergeben wollen?
- In Kapitel 15 wird dreimal gefeiert, sobald etwas gefunden ist. Wann hast du dich zuletzt über die Umkehr eines Menschen gefreut — und wann hat sie dich eher geärgert?
- Zachäus hat noch am selben Tag Geld zurückgezahlt (19,8). Wo müsste bei dir etwas geradegerückt werden, damit dein Heute mehr ist als ein gutes Gefühl?