Ruth
Jesus ist unser Blutsverwandter-Erlöser.
- Verfasser
- Ungenannt; die jüdische Überlieferung nennt Samuel.
- Entstehung
- Die Handlung spielt in der Richterzeit; erzählt wird sie von einem Standpunkt aus, dem David schon ein Begriff ist (Ruth 4,22).
- Gattung
- Familiengeschichte in vier Kapiteln, mit einem Geschlechtsregister am Schluss.
- Kernaussage
- Zwei Witwen kommen mit leeren Händen nach Bethlehem, und ein Verwandter löst aus, was verloren war — Land, Name und Zukunft.
Ruth spielt in der Richterzeit, als jeder tat, was er wollte. Eine Hungersnot treibt eine Familie aus Bethlehem ins Nachbarland Moab. Dort sterben der Vater und beide Söhne. Drei Witwen bleiben zurück. Dann hört Naemi, dass es daheim wieder Brot gibt, und geht heim (1,6). Ihre Schwiegertochter Ruth geht mit — eine Moabiterin ohne Aussicht in Israel. In Bethlehem will Naemi nicht mehr so heißen, sondern Mara: bitter (1,20). Ruth liest Ähren nach, wie das Gesetz es Armen und Fremden erlaubt. Das Feld gehört Boas, einem Verwandten. Er schützt sie und löst aus, was verloren war: Land und Witwe. Ruth bekommt einen Sohn, und Naemi nimmt das Kind auf ihren Schoß (4,16). Das Buch endet nicht mit einer Moral, sondern mit einem Namen: David.
Schlüsselstellen
6 von 6 sichtbarRuth 1,16–17Warum bleibt eine Moabiterin bei einer leeren Frau?MittelHeilslinie
Was hier steht
Naemi schickt ihre Schwiegertöchter zurück, und sie hat recht damit: Sie hat keine Söhne mehr und wird keine bekommen (1,11–13). Orpa geht. Niemand macht ihr einen Vorwurf. Ruth bleibt und schwört: Sie geht mit, wohin Naemi geht, und nimmt deren Volk und deren Gott zu ihrem eigenen. Wo Naemi einmal stirbt, will auch sie liegen. Dabei ruft sie den Namen des Herrn an (1,17). Eine Moabiterin tut das. Das Gesetz hatte Moab auf Abstand gehalten (5. Mose 23,4–7). Ruth rechnet nicht: Ihr wird kein Mann und keine Versorgung versprochen. Sie hängt sich an eine Frau, die sich selbst leer nennt. Der Erzähler stellt ihr Wort neben Naemis Bitterkeit und lässt beides stehen.
Der Christus-Bezug
Der Text weist über seine Zeit hinaus: Eine Fremde tritt an Israels Gott heran, und er weist sie nicht ab. Das Neue Testament zitiert diesen Schwur nicht. Aber es sagt, wie Fremde hinzukommen: durch das Blut von Jesus (Epheser 2,12–13). Und Matthäus nennt Ruth in Jesu Familie (Matthäus 1,5). Israel wird dabei nicht ersetzt. Ruth kommt hinzu.
Ruth 1,20–21Warum will Naemi anders heißen?MittelKanonische Dramaturgie
Was hier steht
In Bethlehem erkennen die Frauen sie wieder. Naemi wehrt den eigenen Namen ab und verlangt, Mara genannt zu werden — das heißt bitter. Dann benennt sie viermal den, der es getan hat: den Allmächtigen und den Herrn (1,20–21). Sie klagt nicht über Moab, nicht über das Unglück, nicht über sich selbst. Sie klagt über Gott. Sie rechnet ihm vor, womit sie gegangen ist und womit sie wiederkommt (1,21). Ganz stimmt die Rechnung nicht: Ruth steht neben ihr, und der Erzähler sagt es im nächsten Satz (1,22). Trotzdem weist niemand sie zurecht. Die Bibel lässt den Satz stehen. Das Wort leer wird das Buch dann nicht mehr los, bis Boas es aufhebt (3,17).
Der Christus-Bezug
Das Buch stellt hier eine Frage, die es selbst noch nicht beantwortet: Wie werden leere Hände wieder voll? Naemis Klage wird im Neuen Testament nicht zitiert. Aber Maria singt dieselbe Umkehrung von Hunger und Fülle, und zwar über das Kind, das sie trägt (Lukas 1,53). Naemi bekommt ihre Antwort nicht als Erklärung, sondern als Sohn.
Ruth 2,10–13Wer nimmt eine Fremde unter seine Flügel?MittelHeilslinie
Was hier steht
Ruth liest Ähren nach. Dafür hatte das Gesetz Platz gelassen: Wer erntet, lässt die Ränder und das Liegengebliebene für Arme, Witwen und Fremde stehen (3. Mose 19,9–10; 5. Mose 24,19–21). Nachlese ist kein Almosen, sondern ein Recht — aber ein hartes: einen ganzen Tag gebückt auf fremdem Boden. Boas geht darüber hinaus. Er verbietet seinen Leuten, sie anzurühren, lässt sie trinken und mitessen und ordnet an, extra Ähren für sie liegen zu lassen (2,9.14–16). Ruth fragt, warum er sich um eine Fremde kümmert (2,10). Boas antwortet mit einem Segenswunsch: Gott möge ihr vergelten; sie habe sich ja unter seine Flügel gestellt (2,12). Er betet — und wird selbst zur Antwort.
Der Christus-Bezug
Der Text weist über sich hinaus. Zuflucht unter Gottes Flügeln zieht sich durch die Psalmen (Psalm 17,8; 36,8; 91,4). Das Neue Testament zitiert Ruth 2,12 nicht. Jesus aber gebraucht dasselbe Bild über Jerusalem: Er habe die Stadt zu sich holen wollen, wie ein Vogel seine Jungen unter den Flügeln birgt (Matthäus 23,37). Er sagt es von sich selbst.
Ruth 3,9–13Was fordert Ruth auf der Tenne ein?StarkTypologie Institution
Was hier steht
Naemi schickt Ruth nachts auf die Tenne zu Boas. Der Plan ist heikel, und der Erzähler verschweigt das nicht (3,3–4.14). Ruth deckt ihm die Füße auf und legt sich hin. Um Mitternacht schreckt er auf und fragt, wer da sei. Ihre Antwort ist kein Werben, sondern ein Anspruch: Er solle seine Flügel über sie breiten, weil er Löser sei (3,9). Der Vers redet von Flügeln; als Sache gemeint ist der Gewandzipfel, den ein Mann über eine Frau breitete. Es ist dasselbe Wort, mit dem er sie vorher unter Gottes Flügel gewünscht hatte (2,12). Sie nimmt ihn bei seinem eigenen Gebet. Boas sagt zu, nennt aber sofort das Hindernis: einen näheren Löser (3,10–12).
Der Christus-Bezug
Im Rahmen dessen, was der Hebräerbrief über Jesus sagt, lässt sich das verstehen. Das Gesetz redet vom Löser in der Sollform (3. Mose 25,25). Erzwingen ließ er sich nicht: Ruth 4,6 zeigt einen Löser, der zurücktritt. Lösen hängt also am Wollen. Vom Sohn sagt der Hebräerbrief beides: Er nahm Fleisch und Blut an, und er kam, um Gottes Willen zu tun (Hebräer 2,14; 10,7). Boas wird dort nicht genannt.
Ruth 4,1–10Warum löst der nähere Löser nicht aus?StarkTypologie Institution
Was hier steht
Boas geht ans Stadttor, wo Recht gesprochen wird, und ruft den näheren Löser und zehn Älteste herbei (4,1–2). Er legt die Sache in zwei Schritten vor. Zuerst das Feld: Naemi gibt es ab, und der nähere Verwandte hat das erste Recht darauf. Er sagt sofort zu (4,4). Dann der zweite Schritt: Wer das Feld nimmt, erwirbt auch Ruth — damit Machlons Name auf dessen Erbteil bestehen bleibt (4,5). Jetzt zieht der Mann zurück. Er beruft sich nicht auf seinen Willen, sondern auf sein Unvermögen: Er könne nicht lösen, ohne sein Erbe zu schädigen (4,6). Er zieht den Schuh aus, alter Brauch (4,7–8). Boas kauft und nimmt Ruth (4,9–10). Der eine rechnet. Der andere zahlt.
Der Christus-Bezug
Im Rahmen dessen, was der Hebräerbrief über Jesus sagt, lässt sich Boas' Handeln lesen. Er zahlt für einen fremden Namen und wird dabei ärmer. Bei Jesus beschreibt Paulus dasselbe Muster: Er gab seinen Reichtum auf, und die anderen wurden reich davon (2. Korinther 8,9). Ruth 4 zitiert das Neue Testament nicht; Boas erscheint dort nur als Vorfahr (Matthäus 1,5).
Ruth 4,13–22Wer ist am Ende der Löser?StarkHeilslinie
Was hier steht
Ruth bekommt einen Sohn, und der Erzähler hält fest, dass der Herr ihn gegeben hat (4,13). Dann kommt eine Überraschung. Die Frauen loben Gott dafür, dass Naemi nun doch einen Löser hat (4,14). Gemeint ist nicht Boas, sondern das Kind. Der Löser ist am Ende der, der geboren wird. Ruth wiege für Naemi mehr als sieben Söhne, sagen sie (4,15) — ein erstaunlicher Satz über eine Moabiterin. Naemi nimmt das Kind auf ihren Schoß und zieht es auf (4,16); die Nachbarinnen reden, als habe sie selbst ein Kind bekommen (4,17). Die Leere aus Kapitel 1 ist gefüllt. Der Junge heißt Obed. Das Buch schließt mit einer Namenliste von Perez bis David (4,18–22).
Der Christus-Bezug
Das Neue Testament nimmt diese Namen ausdrücklich auf. Matthäus zählt Boas, Ruth, Obed, Isai und David in der Reihe auf, die er über Jesus Christus schreibt (Matthäus 1,5–6.16–17); Lukas führt sie von Boas bis David (Lukas 3,32). Belegt ist damit nur dies: Diese Leute gehören in Jesu Familie. Die Löser-Ordnung deutet Matthäus nicht. Eine Moabiterin steht in der Reihe. Das ist genug.
Bilder, die auf ihn zeigen
Der Löser — der Verwandte, der lösen darf und es tut erfüllt in Jesus, der Bruder wurde, um loskaufen zu können
Ein Löser muss verwandt sein, und er muss lösen (3. Mose 25,25.47–49). Der nähere Mann ist verwandt, tritt aber wegen seines Erbes zurück (Ruth 4,6). Boas kauft und nimmt Ruth (Ruth 4,9–10). Dieselben zwei Stücke beschreibt der Hebräerbrief bei Jesus (Hebräer 2,14–17). Boas nennt er nicht.
Ruth 4,1–10; 3. Mose 25,25.47–49 · Hebräer 2,11–17
Merkvers
Ruth 1,16
Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.
Zum Weiterdenken
- Ruth bindet sich an eine Frau, von der sie nichts zu erwarten hat (1,16–17). Wo hast du dich zuletzt an jemanden gebunden, ohne zu rechnen?
- Naemi sagt Gott ins Gesicht, dass er sie leer heimgebracht hat (1,21) — und niemand widerspricht ihr. Was hast du Gott noch nie so deutlich gesagt?
- Boas lässt für Ruth mehr liegen, als das Gesetz verlangt (2,15–16). Wo könntest du in dieser Woche über das Nötige hinausgehen — so, dass es dich etwas kostet?