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Weisheit & Poesie · AT · Kapitel 19 von 66

Psalmen

Jesus ist der Gute Hirte.

Verfasser
Viele Beter über Jahrhunderte; rund siebzig Psalmen tragen Davids Namen, dazu Asaf, die Korachiter, Salomo und Mose (Psalm 90).
Entstehung
Gewachsen von der Königszeit bis nach der Rückkehr aus Babylon und zuletzt zu fünf Büchern geordnet.
Gattung
Gebet- und Gesangbuch Israels: Klage, Dank, Lob, Königs- und Wallfahrtslieder.
Kernaussage
Israel bringt vor Gott alles zur Sprache und hält daran fest, dass er König ist und seinen gesalbten König sendet.

Die Psalmen sind das Gebetbuch Israels: 150 Lieder aus vielen Jahrhunderten. Der Psalter ist in fünf Bücher geteilt, und die ersten vier enden mit einem Lobruf (Psalm 41,14; 72,18–19; 89,53; 106,48). Das fünfte Buch endet nicht mit einem Satz, sondern mit fünf ganzen Halleluja-Psalmen (146–150). Die größte Gruppe sind nicht die Loblieder, sondern die Klagen. Menschen reden hier mit Gott über Krankheit, Feinde, Schuld und Verlassenheit. Der Psalter beginnt nicht im Lob. Er kommt dort an. Dazwischen stehen die Königspsalmen. Sie besingen den gesalbten König aus Davids Haus — und sagen ihm mehr zu, als je ein König einlöste. Für zweisprachige Leser: In russischen Bibeln ist die Zählung verschoben. Psalm 23 steht dort als Psalm 22, Psalm 110 als Psalm 109.

Schlüsselstellen

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Psalm 2,1–12Wen setzt Gott zum König ein?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Psalm 2 bildet mit Psalm 1 das Tor zum Psalter. Er beschreibt einen Aufstand: Könige und Völker verbünden sich gegen den HERRN und seinen Gesalbten. Gott lacht darüber. Dann spricht er sein Urteil. Er hat seinen König längst eingesetzt, auf dem Zion. Und der König gibt weiter, was Gott ihm gesagt hat: Er sei sein Sohn, heute gezeugt. Sohn heißt hier zunächst, dass Gott ihn eingesetzt und bestätigt hat. Gott hatte Davids Haus versprochen, seine Könige als Söhne anzunehmen (2. Samuel 7,14). Nur reicht die Zusage weiter, als je ein König in Jerusalem reichte. Ihm gehören die Völker, und sein Besitz reicht über die ganze Erde. Am Schluss stehen eine Warnung an die Mächtigen und ein Glückwunsch an alle, die bei diesem Sohn Zuflucht suchen.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht diesen Psalm ausdrücklich auf Jesus. Die Gemeinde in Jerusalem betet Psalm 2,1–2 und sieht den Aufstand am Karfreitag geschehen (Apostelgeschichte 4,25–27). Paulus begründet mit Psalm 2,7 die Auferstehung (Apostelgeschichte 13,33). Der Hebräerbrief eröffnet damit seine Beweisführung und stellt 2. Samuel 7,14 daneben (Hebräer 1,5). Der auf dem Zion eingesetzte König ist kein anderer als der Auferstandene.

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Psalm 118,22–26Was macht Gott mit dem aussortierten Stein?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Psalm 118 ist ein Danklied nach überstandener Not. Der Beter war von allen Seiten eingekesselt und ist gerettet worden. Dann greift er zu einem Bild von der Baustelle. Bauleute sortieren aus, was sie für unbrauchbar halten. Gott entscheidet anders. Der Stein, den sie weggelegt hatten, ist am Ende der wichtigste geworden. Und das hat Gott so gemacht, nicht Menschen. Kurz danach zieht der Festzug zum Tempel hinauf, und die Menge ruft dem Kommenden einen Segen zu. Der Psalm feiert also zweierlei: eine Umkehrung, die niemand erwartet hatte, und einen Einzug in Gottes Haus. Er ist der letzte der Lobpsalmen, die zum Passamahl gesungen wurden. Vermutlich ist er der Gesang, mit dem Jesus und die Zwölf nach dem letzten Abendmahl aufbrachen (Markus 14,26).

Der Christus-Bezug

Jesus legt sich diesen Stein selbst zu, unmittelbar nach dem Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Markus 12,10–11). Petrus wiederholt es vor dem Hohen Rat (Apostelgeschichte 4,11) und in seinem Brief (1. Petrus 2,7). Beim Einzug in Jerusalem ruft die Menge Psalm 118,25–26 (Markus 11,9). Beides, der Ruf beim Einzug und der Stein, gilt seither ihm. Was Menschen weglegten, hat Gott obenauf gesetzt.

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Psalm 22,2–23Warum ruft der Verlassene weiter?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Psalm 22 beginnt mit einem der härtesten Sätze der Bibel. Der Beter fragt Gott, warum er ihn verlassen habe. Dann schildert er seine Lage. Menschen verspotten ihn und verhöhnen sein Gottvertrauen. Sein Körper versagt. Feinde umringen ihn, verteilen seine Kleider und losen darum. Der Psalm nennt sie Stiere, Hunde und Löwen. Trotzdem hört der Beter nicht auf zu rufen. Und dann, in der Mitte, kippt der Psalm. Gott hat ihn gehört. Der Gerettete sagt es in der versammelten Gemeinde weiter, und am Schluss des Psalms sollen es alle Enden der Erde hören (V. 28). Klage und Lob stehen dicht beieinander in ein und demselben Text. Zur Zählung: Psalm 22,2 heißt in englischen Bibeln Psalm 22,1, in russischen Bibeln Psalm 21,2.

Der Christus-Bezug

Am Kreuz betet Jesus den Anfang dieses Psalms (Markus 15,34; Matthäus 27,46). Johannes zitiert Psalm 22,19 mit der Erfüllungsformel (Johannes 19,24). Der Hebräerbrief legt Psalm 22,23 Jesus in den Mund (Hebräer 2,12). Belegt sind diese drei Verse. Dadurch wird nicht der ganze Psalm zur Rede Jesu. Sie reichen aber, um zu sagen: Der Verlassene ist am Kreuz zu Wort gekommen.

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Psalm 16,8–11Warum blieb David im Grab und Jesus nicht?Sehr starkErfüllungszitat

Was hier steht

Psalm 16 ist ein Vertrauenslied und trägt Davids Namen. Der Beter hat sich für den HERRN entschieden und gegen andere Götter. Sein Erbteil ist nicht Land, sondern Gott selbst. Der Schluss geht weiter als der Anfang. Der Beter rechnet damit, dass Gott ihn nicht dem Totenreich überlässt und seinen Treuen nicht verwesen lässt. Vor ihm liegt ein Weg des Lebens, und am Ziel steht Freude. Im Zusammenhang des Psalms ist das zuerst die Zuversicht, dass Gott ihn jetzt nicht sterben lässt. Er redet von sich, nicht von einem anderen. Aber die Worte tragen mehr, als eine Bewahrung vor dem frühen Tod braucht. An diesem Überschuss setzt die erste Christenpredigt an. Sie liest den Psalm nicht gegen David, sondern über ihn hinaus.

Der Christus-Bezug

Petrus zitiert Psalm 16,8–11 an Pfingsten und führt einen einfachen Beweis: David ist gestorben, und sein Grab stand noch in Jerusalem (Apostelgeschichte 2,29). Also hat er nicht von sich geredet, sondern im Voraus davon, dass der Messias auferstehen werde (Apostelgeschichte 2,25–31). Paulus greift dasselbe Wort in Antiochia auf (Apostelgeschichte 13,35–37). Was David hoffte, hat Gott an einem aus seinem Haus wahr gemacht.

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Psalm 110,1–4Wie kann einer König und Priester zugleich sein?Sehr starkDirekte Prophetie

Was hier steht

Psalm 110 ist der Text, den das Neue Testament am häufigsten aufgreift. Dabei ist er kurz: sieben Verse. Der HERR — das ist Gottes Eigenname — fordert einen anderen auf, sich rechts neben ihn zu setzen, bis alle Feinde besiegt sind. David nennt diesen anderen seinen Herrn. Dann folgt ein Schwur, den Gott ausdrücklich nicht zurücknimmt. Dieser König ist zugleich Priester für immer, nach der Ordnung Melchisedeks, jenes Königs von Salem, der lange vor Aaron auftrat. König und Priester in einer Person war in Israel nicht vorgesehen. König Usija versuchte es und wurde aussätzig (2. Chronik 26,16–21). David selbst war König, aber nie Priester. Hier redet er von einem, der beides zugleich ist, und bindet es an einen Eid Gottes.

Der Christus-Bezug

Jesus selbst legt diesen Vers seinen Gegnern vor: Wenn David den Messias seinen Herrn nennt, wie kann er dann bloß Davids Sohn sein (Markus 12,35–37)? Petrus erklärt damit die Erhöhung Jesu (Apostelgeschichte 2,34–35). Der Hebräerbrief baut auf Psalm 110,4 die Lehre vom Priestertum Jesu (Hebräer 5,6; 7,17). Kein anderer Vers des Alten Testaments wird im Neuen Testament so oft aufgegriffen wie dieser.

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Merkvers

Psalm 23,1

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Welchen Psalm hast du zuletzt gebetet — war es ein Loblied oder eine Klage?
  2. Petrus begründet die Auferstehung damit, dass Davids Grab noch dastand. Was ändert es für dich, dass der Glaube an nachprüfbaren Sätzen hängt und nicht an einem guten Gefühl?
  3. Psalm 22 und Psalm 23 stehen nebeneinander. Wo in deinem Leben gehören Klage und Vertrauen gerade zusammen?