Matthäus
Jesus ist der verheißene Messias.
- Verfasser
- Matthäus, der Zöllner, den Jesus an seinem Arbeitsplatz rief und in den Kreis der Zwölf nahm (Matthäus 9,9; 10,3).
- Entstehung
- Ein Bericht für Leser, die die Schriften Israels kennen und die Zusagen an David und Abraham im Ohr haben.
- Gattung
- Evangelium — Bericht über Jesus, geordnet um fünf große Reden.
- Kernaussage
- Jesus ist der König aus Davids Haus, auf den Israels Schriften warten; er bringt Gottes Weisung ans Ziel und bleibt bei den Seinen bis zum Ende.
Matthäus steht am Anfang des Neuen Testaments, und das mit gutem Grund. Sein Buch beginnt nicht mit einer Krippe und nicht mit einem Wunder, sondern mit einer Ahnenreihe von Abraham bis Josef. Wer so anfängt, sagt: Diese Geschichte hat eine Vorgeschichte. Matthäus schreibt für Leute, die ihre Bibel kennen. Er setzt voraus, dass sie wissen, was Gott dem König David zugesagt hat. Darum hält er die Erzählung immer wieder an: Hier geht in Erfüllung, wovon ein Prophet geredet hat. Zwölfmal führt diese Formel im Buch einen Prophetentext ein (1,22; 2,15.17.23; 4,14; 8,17; 12,17; 13,14.35; 21,4; 27,9.35). Dazwischen ordnet er die Worte Jesu in fünf große Reden; die erste ist die Rede auf dem Berg. Am Schluss steht kein Abschied, sondern eine Zusage: Der Auferstandene bleibt da.
Schlüsselstellen
6 von 6 sichtbarMatthäus 1,1-17Warum fängt ein Evangelium mit einer Namensliste an?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Der erste Satz ist eine Überschrift, und er nennt drei Namen: Jesus Christus, David, Abraham. Damit steht fest, wohin dieser Mann gehört. David bekam die Zusage eines Thrones, der bleibt (2. Samuel 7,12–16). Abraham bekam die Zusage, dass durch ihn alle Völker gesegnet werden (1. Mose 12,3). Beide Zusagen waren offen. Dann folgt die Liste. Sie ist in drei Reihen zu vierzehn Generationen geordnet (1,17), und die mittlere endet in der Verbannung nach Babylon. Dort bricht die Königslinie ab. Vier Frauen stehen darin, die in einer Königsreihe niemand erwartet: Tamar, Rahab, Rut und die Frau des Uria (1,3.5.6). Zwei kommen von außerhalb Israels. Diese Herkunft ist nicht sauber. Sie läuft trotzdem weiter.
Der Christus-Bezug
Matthäus stellt Jesus nicht vor, er ordnet ihn ein. Der letzte Name der Liste ist der, auf den beide alten Zusagen zulaufen: der Thron, der bleibt, und der Segen für alle Völker. Am Ende des Buches ist beides beieinander — alle Macht und alle Völker (28,18–19). Diese Klammer macht das Buch selbst auf.
Matthäus 1,18-25Warum hat dieses Kind zwei Namen?Sehr starkErfüllungszitat
Was hier steht
Josef steht vor einer Sache, die er nicht lösen kann. Maria ist schwanger, und er weiß, dass das Kind nicht von ihm ist. Er will die Verlobung still auflösen, ohne sie bloßzustellen. Ein Engel hält ihn auf und redet ihn mit einem Titel an: Sohn Davids (1,20). Über diesen Mann kommt das Kind rechtlich in Davids Familie. Dann bekommt Josef einen Auftrag: Er soll den Namen geben. Der Name Jesus sagt, dass Gott rettet; Vers 21 sagt, wovon — von der Schuld des eigenen Volkes. Direkt danach steht zum ersten Mal die Erfüllungsformel dieses Buches. Matthäus greift Jesaja 7,14 auf und hat damit einen zweiten Namen: Immanuel. Er übersetzt ihn gleich mit.
Der Christus-Bezug
Das Neue Testament bezieht Jesaja 7,14 hier ausdrücklich auf Jesus (1,22–23). Zwei Namen, zwei Aussagen. Der erste sagt, was er tut: Er rettet von Schuld. Der zweite sagt, wer da ist, wenn er da ist: Gott mit uns. Diesen zweiten Namen lässt Matthäus nie mehr fallen. Der letzte Satz seines Buches nimmt ihn wieder auf (28,20).
Matthäus 5,17-20Räumt Jesus das Alte weg?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
In der Rede auf dem Berg folgen sechs Abschnitte, in denen Jesus ein Gebot nennt und dann weitergeht (5,21–48). Nicht erst der Mord, schon der Zorn. Nicht erst der Ehebruch, schon der Blick. Wer so redet, gerät schnell in den Verdacht, die alte Ordnung abzuschaffen. Vers 17 kommt diesem Verdacht zuvor. Jesus sagt, er sei nicht gekommen, um Gesetz und Propheten außer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen. Gesetz und Propheten — damit ist die ganze Bibel Israels gemeint. Vers 18 hält fest, dass davon kein Strich wegfällt, bevor nicht alles eingetroffen ist. Vers 20 verlangt eine Gerechtigkeit, die weiter reicht als die der Fachleute. Nicht mehr Regeln. Ein anderes Herz.
Der Christus-Bezug
Hier sagt Jesus selbst, wie er zu den Verheißungen steht. Er nimmt sie nicht weg, und er legt sie nicht nur aus. Er bringt sie ans Ziel. Damit ist gesagt, warum die Gemeinde Israels Bibel nie abgelegt hat: Was Christus erfüllt, wird nicht ungültig. Am Ende des Lukasevangeliums sagt der Auferstandene dasselbe über Gesetz, Propheten und Psalmen (Lukas 24,44).
Matthäus 11,2-6Bist du es wirklich?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis. Er hatte Jesus getauft und ein Gericht angekündigt, das mit Axt und Feuer kommt (3,10–12). Nun geschieht etwas anderes: Kranke werden gesund, und Johannes bleibt eingesperrt. Also schickt er zwei Leute mit einer Frage los. Ob Jesus der ist, auf den gewartet wird — oder ob sie weitersuchen müssen. Es ist die ehrlichste Frage des Buches. Jesus antwortet nicht mit Ja. Er lässt aufzählen, was die Boten hören und sehen: Blinde, Lahme, Aussätzige, Taube, Tote, Arme. Diese Reihe steht ähnlich bei Jesaja (Jesaja 29,18–19; 35,5–6; 61,1). Matthäus setzt hier kein Erfüllungszitat dazu. Und Jesus hängt einen Satz an: Gut dran ist, wer sich an ihm nicht stößt.
Der Christus-Bezug
Nach demselben Muster weist Jesus sich aus — nicht über einen Titel, sondern über das, was geschieht. Die Aufzählung greift Jesaja auf, ohne ihn zu nennen; das Buch macht diese Verbindung nicht ausdrücklich. Der Anstoß gehört dazu. Der verheißene Messias sieht anders aus als erwartet, und selbst der Größte unter den Propheten musste deshalb rückfragen.
Matthäus 16,13-23Wer bin ich für euch?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Jesus fragt weit weg von Jerusalem, in der Gegend von Cäsarea Philippi. Zuerst nach der Meinung der Leute: Täufer, Elia, Jeremia, irgendein Prophet. Dann fragt er die Zwölf. Petrus antwortet mit zwei Aussagen — Christus, und Sohn des lebendigen Gottes (16,16). Jesus nennt ihn glücklich und sagt, woher diese Antwort kommt: vom Vater im Himmel (16,17). Auf dieses Bekenntnis hin sagt Jesus zu, dass er seine Gemeinde baut und ihr die Schlüssel gibt (16,18–19). Bauherr bleibt er selbst. Danach verbietet er den Jüngern, es weiterzusagen (16,20). Und sofort beginnt er zu erklären, was ihn erwartet: Jerusalem, Leiden, Tod, Auferstehung am dritten Tag (16,21). Petrus widerspricht und bekommt die schärfste Antwort des Buches (16,22–23). Das Bekenntnis war richtig. Was Petrus darunter verstand, war es nicht.
Der Christus-Bezug
Hier sagt das Buch selbst, worauf der Titel ruht und wer ihn zu verantworten hat: Ein Mensch spricht ihn aus, und Jesus führt ihn auf den Vater zurück. Später fällt der Titel öffentlich — unter Eid vor dem Hohenpriester (26,63) und im Spott derer, die ihn verurteilt hatten (26,68). Über dem Kreuz steht dann nur noch König der Juden (27,37). Und derselbe Vers, in dem Jesus den Titel bejaht, sagt auch, dass er wiederkommt (26,64) — wann, sagt er ausdrücklich nicht (24,36).
Matthäus 28,16-20Wie endet dieses Buch?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Elf Männer gehen auf einen Berg in Galiläa. Nicht Jerusalem, nicht der Tempel — sondern die Gegend, in der Jesus die meiste Zeit gelehrt hatte. Matthäus nannte diese Gegend zu Beginn das Galiläa der Heiden (4,15). Sie beten ihn an, und Matthäus hält dazu fest, dass einige zweifelten (28,17). Beides steht nebeneinander, und er löst es nicht auf. Dann redet Jesus dreimal von einem Ganzen: alle Macht, alle Völker, alles, was er befohlen hat. Der Auftrag lautet nicht, Anhänger zu zählen, sondern Menschen zu Schülern zu machen, sie zu taufen und sie das Halten zu lehren — das Gelernte auch wirklich zu tun. Und der letzte Satz ist keine Verabschiedung, sondern eine Zusage, die über jede Frist hinausreicht.
Der Christus-Bezug
Damit schließt sich die Klammer. Am Anfang heißt das Kind Immanuel, Gott mit uns (1,23). Am Ende sagt der Auferstandene selbst zu, dass er bleibt, und zwar alle Tage. Kein anderes Evangelium endet so. Der verheißene Messias ist nicht gekommen und wieder gegangen. Er ist der, der da ist, solange wir zu den Völkern unterwegs sind.
Bilder, die auf ihn zeigen
Mose: gerettet vor einem Kindermörder, aus Ägypten geführt, mit Gottes Weisung vom Berg erfüllt in Jesus: gerettet vor Herodes, aus Ägypten gerufen, lehrend auf dem Berg
Matthäus erzählt die Kindheit in Zügen, die an Mose erinnern, und ordnet Jesu Worte in fünf Reden mit gleichlautendem Schluss (7,28; 11,1; 13,53; 19,1; 26,1). Die Bruchstelle: Mose gibt weiter, was er empfangen hat, Jesus redet mit eigener Vollmacht. Matthäus zieht diese Linie nicht; Petrus zieht sie.
5. Mose 18,15 · Apostelgeschichte 3,22
Merkvers
Matthäus 1,23
Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.
Zum Weiterdenken
- Die Ahnenreihe nennt vier Frauen, deren Geschichten schwierig sind (1,3.5.6). Was sagt es dir, dass Gott diese Namen in der Herkunft seines Sohnes stehen lässt?
- Johannes hatte Jesus getauft und fragte später zurück (11,2-3). Welche Frage an Jesus schiebst du vor sich her, weil du meinst, sie dürfe nicht sein?
- Am Berg beten sie an, und einige zweifeln (28,17). Wie kann unsere Gemeinde ein Ort sein, an dem beides Platz hat, ohne dass wir den Auftrag kleiner machen?