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Allgemeine Briefe · NT · Kapitel 65 von 66

Judas

Jesus ist mächtig, uns vor dem Fallen zu bewahren.

Verfasser
Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus (Vers 1) — nach alter Überlieferung ein Bruder Jesu; er selbst schreibt das nicht.
Entstehung
Ein Schreiben an Gemeinden, in die fremde Leute eingedrungen sind; im Stoff eng verwandt mit 2. Petrus 2.
Gattung
Mahnschreiben — ein Alarmbrief, der mit einem Lobruf endet.
Kernaussage
Der überlieferte Glaube ist fertig und muss verteidigt werden; wer sich selbst zum Herrn macht, fällt — und wer Christus gehört, wird gehalten.

Judas ist ein Notbrief. Der Schreiber wollte etwas anderes verfassen, etwas über das gemeinsame Heil. Dann hielt er es für nötig, stattdessen einen Alarm zu schreiben (Vers 3). In die Gemeinden sind Leute hineingekommen, die niemand eingeladen hat. Sie sitzen bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit am Tisch (Vers 12). Sie reden von Gnade und meinen damit, dass jetzt alles erlaubt sei. Judas antwortet nicht mit einer Lehrschrift, sondern mit Beispielen: ein gerettetes Volk, das umkam, Engel, die ihren Platz verließen, Sodom und Gomorra samt den Städten ringsum. Fünfundzwanzig Verse, ein einziges Kapitel, ein Buch der Abstürze. Und dann, im vorletzten Vers, kippt der Ton. Aus dem Brief über das Fallen wird ein Lobruf auf den, der hält.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Judas 1,1–2Wer hält hier wen?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Der Brief beginnt mit einer Vorstellung, die etwas weglässt. Judas nennt sich Knecht — Sklave — Jesu Christi, dazu Bruder des Jakobus. Bruder Jesu nennt er sich nicht. Sklave statt Verwandter: Das ist sein Platz. Dann beschreibt er die Leser mit drei Bestimmungen, und keine davon tun sie selbst. Berufen hat sie jemand. Geheiligt hat sie Gott, der Vater. Bewahrt sind sie in Jesus Christus. Das letzte Wort meint Geschehenes und Bleibendes zugleich: getan und weiter gültig. Bevor ein einziger Vorwurf fällt, steht dieser Satz. Wer den Brief liest, weiß von der ersten Zeile an, worauf er steht — und dass er es nicht selbst ist.

Der Christus-Bezug

Hier hängt der Titel dieses Buches. Der Ort, an dem diese Leute bewahrt sind, ist keine Lehre, sondern eine Person. Jesus sagt dasselbe über seine Schafe: Sie gehen nicht verloren, und niemand kann sie ihm entreißen (Johannes 10,28–29). In seinem letzten Gebet sagt er, dass er sie gehalten hat, und bittet den Vater weiterzumachen (Johannes 17,11–12).

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Judas 1,3–4Wogegen soll die Gemeinde kämpfen?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vers 3 zeigt einen Schreiber, der umdisponiert. Er ruft zum Kampf auf für den Glauben, den die Heiligen ein einziges Mal und endgültig empfangen haben. Glaube meint hier nicht das Vertrauen im Herzen, sondern die weitergereichte Botschaft. Und sie ist abgeschlossen. Nachlegen kann niemand. Vers 4 nennt den Grund: Leute haben sich unbemerkt hereingeschoben. Ihr Programm hat zwei Hälften. Aus der Gnade machen sie einen Freibrief für Zügellosigkeit. Und sie verleugnen zweierlei in einem Atemzug: Gott als den einzigen Herrscher und Jesus Christus als unseren Herrn. Das Wort für Herrscher meint den Hausherrn, dem die Sklaven gehören. Genau so einen Sklaven hat Judas sich in Vers 1 genannt.

Der Christus-Bezug

Was diese Leute abschaffen, ist keine Lehrmeinung, sondern ein Besitzverhältnis. Judas nennt sich in Vers 1 den Sklaven dieses Herrn. Petrus wirft denselben Leuten vor, sie verleugneten den, der sie erkauft hat (2. Petrus 2,1). Paulus sagt es positiv: Wir gehören nicht uns selbst (1. Korinther 6,19–20). Wer keinen Herrn über sich hat, hat auch niemanden, der ihn hält.

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Judas 1,5–7Warum erzählt er drei Untergänge?StarkHeilslinie

Was hier steht

Judas erinnert an Bekanntes, dreimal hintereinander. Zuerst das Volk: Der Herr rettete es aus Ägypten und ließ danach die umkommen, die nicht glaubten. Herausgeholt worden zu sein war also nicht dasselbe wie angekommen zu sein. Dann die Engel: Sie hielten den Bereich nicht, der ihnen zugewiesen war, und verließen ihre Wohnung. Jetzt sind sie für den Gerichtstag festgesetzt. Hier dreht Judas sein Leitwort um: Sie haben nicht bewahrt, also werden sie aufbewahrt. Zuletzt Sodom, Gomorra und die Städte ringsum, die als Warnschild dastehen. Alle drei Beispiele beginnen oben und enden unten. Judas erzählt das nicht, um Angst zu machen. Er erzählt es Leuten, denen gerade eingeredet wird, es könne ihnen nichts mehr geschehen.

Der Christus-Bezug

Paulus erzählt dieselbe Wüstengeschichte und sagt dazu, wer dabei war: Der Fels, aus dem sie tranken, war Christus, und wen sie versuchten, war Christus (1. Korinther 10,4.9). Judas sagt nur der Herr und lässt offen, wen er meint; seinen Vers zitiert das Neue Testament nirgends. Paulus zieht daraus die Folgerung: Wer sich auf seinen sicheren Stand verlässt, verliert ihn (1. Korinther 10,12).

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Judas 1,8–16Wo Michael aufhört und diese Leute weiterredenMittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Judas nennt drei Züge (Vers 8): Träumereien, Verachtung der Herrschaft, Lästerworte gegen Mächte. Dagegen ein Gegenbild. Der Erzengel Michael stritt mit dem Teufel um den Leib des Mose und wagte trotzdem kein lästerndes Urteil; er überließ das Strafen dem Herrn (Vers 9). Die Szene steht nicht im Alten Testament: Judas greift eine bekannte Überlieferung auf und stützt keine Lehre darauf. Der Vergleich genügt: Der höchste Engel maßt sich weniger an als diese Männer. Dann drei Namen: Kain, Bileam, Korah (Vers 11). Danach sechs Bilder (Verse 12–13): Schandflecken beim Mahl; Hirten, die nur sich selbst versorgen; Wolken ohne Wasser; Bäume ohne Frucht; Wellen voll Schaum; Irrsterne. Alle sagen dasselbe: Es sieht nach etwas aus und trägt nichts. Zuletzt führt Judas ein altes Gerichtswort Henochs an (Verse 14–15), nicht als neue Offenbarung, sondern als bekannten Satz.

Der Christus-Bezug

Der Brief hält das Urteil oben. Michael überlässt es dem Herrn, und Henoch sieht den Herrn zum Gericht kommen; wer dieser Herr ist, schreibt Judas nicht hin. Das Neue Testament sagt an anderer Stelle, wem das Gericht gehört: Der Vater richtet niemanden selbst, sondern hat es dem Sohn übergeben (Johannes 5,22.27). Judas zieht diese Linie nicht. Wer diesen Herrn abschafft, verliert den Fürsprecher (1. Johannes 2,1).

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Judas 1,20–23Was sollt ihr selber tun?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Nach all dem Dunkel kommt der Auftrag. Baut euch auf eurem Glauben auf — der Glaube ist hier der Grund, auf dem gebaut wird, nicht das Gebäude. Betet im Heiligen Geist. Bewahrt euch selbst, und zwar in der Liebe Gottes. Hofft auf das Erbarmen, das euch ans Ziel bringt. Die dritte Anweisung überrascht: Sie benutzt dasselbe Wort wie Vers 1. Dort werden sie bewahrt, hier sollen sie sich bewahren. Judas löst das nicht auf. Dann geht der Blick nach draußen (Verse 22–23). Mit den einen soll die Gemeinde Erbarmen haben, andere muss sie aus dem Feuer reißen, und beim Anfassen bleibt sie vorsichtig. Wer bewahrt wird, wird nicht zum Zuschauer.

Der Christus-Bezug

In Vers 21 steht der einzige Satz des Briefes, der die Zukunft der Leser ausdrücklich an den Namen Jesu bindet: Sie hoffen auf das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus, und dieses Hoffen führt ins ewige Leben. Das passt zum Anfang. Vers 1 sagt, worin sie bewahrt sind, Vers 21 sagt, worauf sie zugehen. Beides derselbe Name.

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Judas 1,24–25Wer hält am Ende fest?StarkHeilslinie

Was hier steht

Der Brief endet mit einem Lobruf. Er ist nicht angehängt, sondern die Antwort auf alles davor. Von Vers 4 an ging es um Leute, die gefallen sind. Jetzt heißt es: Da ist einer, der stark genug ist, euch vor dem Straucheln zu bewahren — und der euch am Ende untadelig und voller Freude vor seine Herrlichkeit stellt. Zwei Dinge stehen darin. Erstens ein Bild vom Gehen: Wer gehalten wird, kommt nicht zu Fall. Zweitens ein Ziel: Ihr kommt an, sichtbar und ohne Vorwurf. Vers 25 sagt, wem der Ruf gilt: dem allein weisen Gott, der uns rettet. Der letzte Satz eines Briefes über den Abfall ist kein Appell.

Der Christus-Bezug

Hier ist der Titel zu Hause, und hier braucht er einen Schritt. Die Verse 24 und 25 gelten Gott, unserem Retter; der Name Jesu steht in ihnen nicht. Dass dieses Halten an ihm hängt, sagt der Brief in Vers 1 und Vers 21. Paulus traut dasselbe Können dem zu, an den er glaubt — und nennt ihn zwei Verse vorher unseren Retter Jesus Christus (2. Timotheus 1,10.12).

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Merkvers

Judas 1,24

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Vers 1 sagt, dass du bewahrt bist, Vers 21 sagt, dass du dich halten sollst. Welchen der beiden Sätze überhörst du gerade — und woran merkst du es?
  2. Die Eindringlinge machten aus der Gnade einen Freibrief. Wo redest du dir etwas mit Gnade schön, das du in Wahrheit lassen solltest?
  3. Vers 23 spricht von Menschen, die aus dem Feuer zu reißen sind. Wer in unserer Gemeinde ist gerade am Rutschen, und wer aus unserer Mitte geht diese Woche zu ihm hin?