Zum Inhalt springen
Haus Gottes Logo
Kleine Propheten · AT · Kapitel 32 von 66

Jona

Jesus ist der Auferstandene.

Verfasser
Das Buch nennt seinen Schreiber nicht. Der Prophet Jona, Sohn Amittais, ist außerhalb dieses Buches nur in 2. Könige 14,25 belegt.
Entstehung
Nicht datiert. Jona wirkte unter König Jerobeam II. im Nordreich Israel, also in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr.
Gattung
Prophetenbuch, das fast durchgehend erzählt — dazu ein Danklied in Kapitel 2.
Kernaussage
Gott erbarmt sich über eine feindliche Stadt, die umkehrt, und muss seinen eigenen Propheten überreden, das gut zu finden.

Jona ist ein Prophetenbuch, in dem kaum geweissagt wird. Es erzählt. Von seinen vier Kapiteln enthält ein einziger Satz eine Botschaft an die Leute (3,4). Alles andere handelt vom Propheten selbst. Jona, Sohn Amittais, ist keine erfundene Gestalt; 2. Könige 14,25 nennt ihn als Propheten im Nordreich Israel. Gott schickt ihn nach Ninive, zur Hauptstadt Assyriens — zu der Macht, die Israel bedroht und wenig später vernichtet. Jona bezahlt eine Schiffspassage in die Gegenrichtung. Es folgen Sturm, Los, Meer, ein großer Fisch, ein zweiter Auftrag. Diesmal geht er. Die Stadt kehrt um, von den Mächtigen bis zu den Tieren. Und der Prophet ist wütend darüber. Das Buch endet nicht mit einer Aussage, sondern mit einer Frage Gottes — und Jona antwortet nicht.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
Jona 1,1–3Warum läuft der Prophet weg?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Der Anfang klingt wie bei jedem Prophetenbuch: Gottes Wort ergeht an einen Mann (1,1). Dann kippt es. Der Auftrag lautet Ninive. Jona geht zum Hafen hinunter, findet ein Schiff nach Tarsis, zahlt und steigt ein (1,3). Tarsis liegt in der Gegenrichtung, am anderen Ende der bekannten Welt. Zweimal betont der Vers, dass er weg will von Gottes Angesicht. Warum, sagt das Buch hier noch nicht. Der Grund kommt erst am Schluss (4,2). Ninive ist die Hauptstadt Assyriens, der Macht, die das Nordreich Israel vernichten wird. Jona war Prophet in eben diesem Nordreich (2. Könige 14,25). Er soll dem Feind eine Warnung überbringen, und eine Warnung ist eine Gelegenheit. Genau die will er ihm nicht geben.

Der Christus-Bezug

Das Buch zeigt hier eine Lücke: Der Bote will nicht. Das Neue Testament zitiert die Stelle nicht. Aber es stellt einen anderen Gesandten daneben, der das Gegenteil sagt — er sei nicht gekommen, um seinen eigenen Willen zu tun, sondern den des Vaters (Johannes 6,38; Hebräer 10,7). Wo Jona wegfährt, geht einer freiwillig hinein und bleibt bis zum Ende.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Jona 1,11–16Einer geht über Bord, damit die anderen lebenSchwachFromme Analogie

Was hier steht

Der Sturm wird schlimmer, das Los ist gefallen, und die Seeleute fragen den Propheten nach einem Ausweg (1,11). Jona antwortet selbst: über Bord mit ihm, dann werde das Meer ruhig — er wisse, dass der Sturm seinetwegen komme (1,12). Das ist keine Heldentat, sondern ein Geständnis. Die Männer wollen nicht. Sie rudern mit aller Kraft ans Ufer zurück und schaffen es nicht (1,13). Erst dann rufen sie diesen Gott an und bitten, ihnen kein unschuldiges Blut anzurechnen (1,14). Sie werfen ihn hinaus, das Meer wird still. Und die heidnische Schiffsmannschaft opfert Gott und legt Gelübde ab (1,16). Die Ersten, die sich in diesem Buch zu Gott wenden, sind nicht die Frommen.

Der Christus-Bezug

Als Bild gesprochen: Einer verschwindet in der Tiefe, und die Übrigen kommen davon. Kajaphas hat später denselben Gedanken ausgesprochen, ohne zu verstehen, was er sagt (Johannes 11,49–50). Das Neue Testament zieht diese Linie aber an keiner Stelle zu Jona, und der Unterschied ist groß: Jona geht als Schuldiger über Bord, Jesus als Unschuldiger ans Kreuz. Ein Bild, kein Beweis.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Jona 2,1–11Was ist das Zeichen des Jona?Sehr starkTypologie Person

Was hier steht

Gott lässt einen großen Fisch kommen, und Jona bleibt darin drei Tage, drei Nächte (2,1). Deutsche Bibeln zählen diesen Vers als 2,1, englische als Jonah 1,17; wer zweisprachig liest, muss eine Zeile höher schauen. Jona betet — aber er bittet nicht, er dankt. Er redet von der Tiefe, vom Totenreich, von Meergras, von Riegeln, die hinter ihm zufallen (2,3–7). Es sind Bilder aus den Psalmen. Und mittendrin steht der Satz, auf den das Buch zuläuft: Retten ist allein Gottes Sache (2,10). Jona spricht ihn im Fisch, bevor irgendetwas besser geworden ist. Dann befiehlt Gott dem Tier, und es setzt den Propheten an Land (2,11). Jona hat sich nicht befreit. Er wurde herausgeholt.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament bezieht diesen Vorgang ausdrücklich auf Jesus, und zwar durch ihn selbst: Er stellt Jonas Tage im Fisch neben seine eigenen Tage im Schoß der Erde (Matthäus 12,40). Ein anderes Zeichen bekommt diese Generation nicht (Matthäus 16,4). Verbürgt ist genau dieser Zug, der Aufenthalt im Fisch; das Danklied in 2,3–10 nimmt das Neue Testament nirgends auf. Und die Tiefe ist nicht dieselbe: Jona kam aus dem Fisch, Jesus aus dem Tod. An der Auferweckung erweist sich, wer er ist (Römer 1,4).

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Jona 3,4–10Was bewirkt eine Predigt aus fünf Worten?Sehr starkTypologie Person

Was hier steht

Beim zweiten Auftrag geht Jona (3,3). Seine Predigt ist ein einziger Satz, im Hebräischen fünf Wörter: in vierzig Tagen sei die Stadt dahin (3,4). Kein Wort von Umkehr, kein Angebot, keine Bedingung, kein Hinweis auf einen Ausweg. Und die Stadt kehrt trotzdem um. Erst glauben die Leute, dann fasten sie, dann steigt der König vom Thron, legt den Mantel ab und setzt sich in Asche (3,5–6). Sein Erlass zieht sogar die Herden mit hinein (3,7–8). Sicher ist der König nicht; er hofft nur, Gott lasse sich noch umstimmen (3,9). Gott sieht, dass sie ihr Verhalten ändern, und lässt das angekündigte Unheil (3,10). Assyrien wurde dadurch kein frommes Volk. Diese eine Generation aber wurde verschont.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament nennt diesen Vorgang ausdrücklich und stellt Jesus daneben: Ninive kehrte um, als Jona rief — und hier redet einer, der Jona überragt (Matthäus 12,41; Lukas 11,32). Der Vergleich gilt dem Prediger, nicht der Stadt; die Umkehr Ninives führt Jesus als Mahnung gegen seine eigene Generation an. Ein widerwilliger Fremder mit einem Satz genügte damals. Jetzt redet der Sohn.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Jona 4,1–4Warum ist der Prophet wütend?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Jetzt erst erfährt der Leser, warum Jona weggelaufen war: Er hatte mit diesem Ausgang gerechnet (4,2). Er begründet es mit dem Bekenntnis, das Israel seit dem Sinai über seinen Gott sprach: gnädig, geduldig, langsam mit dem Zorn, groß in seiner Treue (2. Mose 34,6). Einen vierten Zug hängt Jona an, den die Sinaiformel nicht hat und den Joel ebenso überliefert (Jona 4,2; Joel 2,13): Gott nimmt ein angedrohtes Unheil zurück. Genau dieser Zusatz ist der Grund seines Zorns. Jona bestreitet die Formel nicht. Er will sie nur auf Ninive nicht angewendet sehen. Er bittet darum, sterben zu dürfen (4,3): lieber tot, als zusehen, wie der Feind davonkommt. Gott stellt eine Rückfrage, ob dieser Zorn berechtigt sei (4,4). Der Prophet antwortet nicht.

Der Christus-Bezug

Das Neue Testament zitiert die Stelle nicht. Aber es erzählt dieselbe Szene noch einmal, mit anderem Ausgang. Auch dort murren Fromme, weil einer sich zu den Falschen setzt (Lukas 15,1–2), und ein älterer Bruder bleibt draußen vor dem Fest (15,28). Und über der Stadt, die ihn töten wird, weint Jesus, statt auf ihr Ende zu warten (Lukas 19,41–44).

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)
Jona 4,10–11Wie endet dieses Buch?StarkHeilslinie

Was hier steht

Gott arbeitet mit Anschauung. Eine Staude wächst über Jona und gibt Schatten; zum ersten Mal in diesem Buch freut sich der Prophet (4,6). Am nächsten Morgen sticht ein Wurm die Pflanze kaputt, dazu kommen heißer Ostwind und Sonne (4,7–8). Jona will wieder sterben. Dann rechnet Gott ihm etwas vor: Jona hängt an einem Gewächs, für das er nichts getan hat, das über Nacht kam und über Nacht verging (4,10). Und Gott sollte nicht an einer Stadt hängen, in der über hundertzwanzigtausend Menschen leben, die noch nicht wissen, was rechts und was links ist, dazu die vielen Tiere (4,11)? Damit hört das Buch auf. Die Antwort fehlt. Sie ist dem Leser überlassen.

Der Christus-Bezug

Diesen Schluss zitiert das Neue Testament nicht. Die Linie hat Stationen: Abraham wird Segen für alle Sippen der Erde zugesagt (1. Mose 12,3); der Knecht soll Licht für die Völker sein (Jesaja 49,6); und Petrus begreift in Joppe, dem Hafen aus Jona 1,3, dass Gott kein Volk ausschließt (Apostelgeschichte 10,34–35), was die Gemeinde in Jerusalem bestätigt (Apostelgeschichte 11,18). Nach demselben Muster schickt Jesus seine Leute zu allen Völkern (Matthäus 28,18–20). Israel wird nicht ersetzt; die Nationen kommen hinzu.

Nachlesen auf bibleserver.com(öffnet in neuem Tab)

Merkvers

Jona 2,10

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Jona sagt erst am Ende, warum er weggelaufen ist (Jona 4,2). Welchem Auftrag weichst du gerade aus — und was ist der wahre Grund dafür?
  2. Die heidnische Schiffsmannschaft ruft zu Gott, bevor der Prophet es tut (Jona 1,5–6.14–16). Wo hast du erlebt, dass Menschen außerhalb der Gemeinde dir etwas voraushatten?
  3. Gottes letzte Frage an Jona bleibt unbeantwortet (Jona 4,10–11). Für welche Stadt, welche Familie, welchen Menschen möchte Gott dein Mitleid — und du weigerst dich?