Epheser
Jesus ist das Haupt der Gemeinde.
- Verfasser
- Paulus, der Apostel — dreimal spricht er im Brief von seiner Gefangenschaft (3,1; 4,1; 6,20).
- Entstehung
- Aus der Haft geschrieben und von Tychikus überbracht (6,21–22).
- Gattung
- Lehrbrief ohne erkennbaren Streitfall — wahrscheinlich ein Rundbrief, der von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht wurde.
- Kernaussage
- Gott bringt in Christus alles unter ein Haupt zusammen — und macht dabei aus Juden und Nichtjuden einen einzigen neuen Leib.
Epheser ist ein Brief ohne Streitfall. Paulus tadelt niemanden. Er beantwortet keine Rückfrage. Außer Tychikus, der den Brief bringt, nennt er keinen einzigen Namen (6,21). Wahrscheinlich ging er an mehrere Gemeinden in der Provinz Asien und wurde weitergereicht. Geschrieben hat ihn ein Häftling; dreimal erwähnt Paulus seine Fesseln (3,1; 4,1; 6,20). Der Aufbau ist streng und einfach. Drei Kapitel sagen, was Gott getan hat. Drei Kapitel sagen, wie man daraufhin lebt. Zwischen beiden Hälften steht kein Bruch, sondern ein Darum (4,1). Das Wort wandeln — also gehen, Schritt für Schritt leben — trägt den zweiten Teil (4,1.17; 5,2.8.15). Zweimal unterbricht sich Paulus mitten im Satz und betet (1,15–23; 3,14–21). Und mitten im Brief steht etwas, das er selbst ein Geheimnis nennt: Die Heiden gehören dazu (3,6).
Schlüsselstellen
6 von 6 sichtbarEpheser 1,9-10Was hat Gott eigentlich vor?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Nach dem langen Lobpreis in 1,3–8 sagt Paulus, worauf Gott hinauswill. Er nennt es ein Geheimnis. Das meint in der Bibel kein Rätsel, sondern einen Plan, den Gott lange bei sich behielt und jetzt bekannt macht. Dieser Plan hat einen Termin: die Fülle der Zeiten. Und er hat einen Inhalt: Alles soll in Christus zusammenkommen, das Irdische und das Himmlische, unter einer einzigen Spitze. Das Zeitwort, das Paulus dafür wählt, ist mit demselben Wortstamm gebildet wie das Wort für Haupt. Ob dabei das Wort Haupt fallen muss, geben die Übersetzungen verschieden wieder: Luther 2017 sagt zusammengefasst, Schlachter 2000 nennt ein Haupt. Die Sache bleibt dieselbe: Das auseinandergefallene All bekommt eine Mitte, und diese Mitte ist eine Person.
Der Christus-Bezug
Der Brief sagt hier ausdrücklich, worauf alles zuläuft: auf Christus. Nicht auf einen Zustand — auf ihn. Damit ist der Titel weiter, als er zunächst klingt. Das Haupt der Gemeinde ist nicht der Vorsitzende eines Vereins. Es ist der, in dem Gott Himmel und Erde wieder zusammenbringen will. Dass hier das Wort Haupt fällt, hängt an der Übersetzung; die Sache nicht.
Epheser 1,20-23Wo sitzt dieses Haupt?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Paulus betet um erleuchtete Augen (1,18). Dann beschreibt er, woran Gottes Kraft zu erkennen ist. Nicht an einem Erlebnis. An zwei Ereignissen: Gott hat Christus aus dem Tod geholt und ihm den Platz an seiner rechten Seite gegeben (1,20). Damit greift er zwei alte Texte auf: Psalm 110,1 und Psalm 8,7. Beides gilt jetzt einem Menschen, der hingerichtet wurde. Über ihm steht kein Rang mehr, weder in dieser Zeit noch in der kommenden (1,21). Und dann kommt der Satz, an dem dieses Buch seinen Titel hat. Gott hat ihn der Gemeinde gegeben, und zwar als Haupt, dem alles untersteht (1,22). Die Gemeinde bekommt dieses Haupt geschenkt. Sie hat es sich nicht gewählt.
Der Christus-Bezug
Hier steht der Titel an seiner stärksten Stelle. Zwei Dinge fallen auf. Das Haupt der Gemeinde ist zugleich das Haupt über allem — es gibt keinen kleineren Christus für die Kirche und einen größeren für die Welt. Und das Verhältnis ist eine Gabe, kein Vertrag: Gott gibt ihn der Gemeinde. Sie ist sein Leib, und er füllt sie ganz aus (1,23).
Epheser 2,13-16Woraus besteht dieser Leib?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Vorher hat Paulus die frühere Lage seiner Leser aufgezählt: kein Christus, kein Bürgerrecht in Israel, kein Anteil an den Zusagen, keine Hoffnung, kein Gott (2,12). Jetzt sind die Fernen herangeholt, und der Preis dafür war Blut (2,13). Er selbst ist der Friede zwischen beiden Seiten, und die Wand zwischen ihnen hat er abgebrochen (2,14). Was diese Wand war, sagt Paulus im nächsten Vers selbst: das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen (2,15). Wer damals in Jerusalem war, hatte dazu ein Bild vor Augen — eine Schranke im Tempelvorhof, hinter die kein Nichtjude durfte. Ob Paulus daran dachte, sagt er nicht. An seinem eigenen Leib hat er die Feindschaft beendet und aus zwei Gruppen einen neuen Menschen gemacht (2,15). Beide hat er mit Gott versöhnt, in einem Leib, und der Ort dafür war das Kreuz (2,16). Israel wird dabei nicht abgelöst. Die Fernen kommen dazu (2,13.19).
Der Christus-Bezug
Das Wort Haupt fällt in diesem Abschnitt nicht. Nach demselben Muster, nach dem 1,22 den Erhöhten der Gemeinde als Haupt gibt, redet 2,16 von einem Leib — und ein Leib hat ein Haupt. Hier geht Epheser über Kolosser hinaus. Dieser Leib besteht aus Leuten, die einander nicht ertragen konnten. Christus hat sie nicht überredet, er hat die Wand abgetragen, und was das kostete, sagt 2,16: das Kreuz. Der Leib dieses Hauptes ist nicht nach Herkunft sortiert.
Epheser 3,8-11Wozu ist die Gemeinde da?StarkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Paulus nennt sich selbst den Allerkleinsten unter denen, die zu Gott gehören (3,8). Sein Auftrag: den Nichtjuden von einem Reichtum zu erzählen, den keiner ausrechnen kann. Dann kommt ein Satz, den nur dieser Brief so schreibt. Gott hatte einen Plan lange verborgen (3,9). Jetzt sollen ihn die Mächte in der unsichtbaren Welt erfahren — und zwar durch die Gemeinde (3,10). Nicht durch einen Engel, nicht durch ein Zeichen am Himmel. Durch eine Ansammlung von Menschen, die einander fremd waren und nun an einem Tisch sitzen. Was diese Mächte lernen sollen, nennt Paulus Gottes vielgestaltige Weisheit — das Wort meint bunt, vielfarbig. Der Beweis ist die Mischung selbst. Das Wort Haupt fällt in diesem Abschnitt nicht.
Der Christus-Bezug
Der Abschnitt redet ausdrücklich von Christus, nennt ihn aber hier nicht das Haupt. Der Titel trägt über die Sache: Was die Mächte ansehen sollen, ist ein Leib — und ein Leib hat ein Haupt. Nach demselben Muster hatte Paulus vorher gesagt, dass Christus über allen Gewalten sitzt (1,21). Jetzt führt Gott genau diesen Gewalten vor, was dieses Haupt zustande bringt.
Epheser 4,11-16Wie wächst ein Leib?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Der zweite Teil beginnt mit einer Bitte: die Einheit halten, die schon da ist (4,3). Sieben Mal steht dort das Wort ein — beim Leib und beim Geist, bei Hoffnung, Herrn, Glauben und Taufe, und zuletzt bei Gott, dem Vater (4,4–6). Danach verteilt Christus Gaben und gibt der Gemeinde Menschen: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer (4,7–11). Ihr Auftrag ist nicht, alles selbst zu tun. Sie sollen die Heiligen ausrüsten, damit diese dienen (4,12). Das Ziel hat ein Maß, und es ist kein kleines: die volle Größe Christi (4,13). Und wohin gewachsen wird, sagt 4,15: auf ihn zu, das Haupt. Von ihm her hält der Leib zusammen, und jedes Glied trägt nach seinem Maß dazu bei (4,16).
Der Christus-Bezug
Hier fällt das Wort zum zweiten Mal — und es bedeutet mehr als Befehlsgewalt. Das Haupt ist die Stelle, von der das Wachstum ausgeht (4,16). Ein Körper wächst nicht, weil er Anweisungen bekommt, sondern weil er versorgt wird. Deshalb sagt Epheser beides über dasselbe Wort: Er steht über allem (1,22), und er nährt (4,16; 5,29). Kolosser 2,19 kennt diese Linie auch; Epheser führt sie aus.
Epheser 5,23-32Was tut ein Haupt für seinen Leib?Sehr starkDirektes Zeugnis
Was hier steht
Der Satz steht mitten in einer Anweisung an Eheleute. Darüber steht ein Satz für alle: sich einander unterordnen (5,21). Paulus vergleicht den Mann mit dem Haupt und die Frau mit dem Leib (5,23). Aus diesem Vergleich zieht er sofort eine Folgerung für die Ehe: Wie die Gemeinde sich ihrem Haupt fügt, so sollen die Frauen sich ihren Männern fügen (5,24). Die Ordnung steht also da, und Paulus nimmt sie nicht zurück. Er hält nur nicht bei ihr an. Was dieses Haupt tut, sagt 5,25: Es liebt, und es gibt sich weg. Vier Zeitwörter beschreiben den Vorgang — hingeben, heiligen, reinigen, hinstellen (5,25–27). Dazu kommt ein häusliches Bild: nähren und pflegen, so wie jeder mit seinem eigenen Körper umgeht (5,29). Am Schluss führt Paulus 1. Mose 2,24 an. Und dann sagt er selbst, wovon er die ganze Zeit geredet hat: von Christus und der Gemeinde (5,32).
Der Christus-Bezug
Hier steht der Titel fast wörtlich (5,23). Epheser sagt zweierlei über dasselbe Haupt, und beides steht nebeneinander. Es ordnet: Die Gemeinde fügt sich ihm (5,24), so wie 1,22 ihm alles unterstellt. Und es rettet: 5,23 hängt einen Zusatz an, den kein anderer Haupt-Satz der Bibel hat — dieses Haupt ist der Retter seines Leibes. Wovon es lebt, sagt der nächste Vers: Es gibt sich selbst weg (5,25).
Merkvers
Epheser 1,22
Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.
Zum Weiterdenken
- Epheser 1,22 sagt: Gott hat der Gemeinde ihr Haupt gegeben. Wo versuchst du gerade, selbst das Haupt zu sein — in deiner Familie, im Dienst, in deinem Kopf?
- Die Mauer zwischen Juden und Nichtjuden hat Christus abgetragen, nicht die Beteiligten (2,14–16). Welche Mauer in unserer Gemeinde wartest du darauf, dass ein anderer sie einreißt?
- Nach 4,16 trägt jedes Glied nach seinem Maß zum Wachstum bei. Was ist dein Beitrag zu diesem Leib — und wer außer dir weiß davon?