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Allgemeine Briefe · NT · Kapitel 63 von 66

2. Johannes

Jesus ist die Wahrheit.

Verfasser
Johannes, der Apostel — im Brief nennt er sich nur der Älteste (Vers 1), wie im Nachbarbrief.
Entstehung
Ein kurzer Brief aus der Spätzeit des Apostels, gerichtet an eine auserwählte Frau und ihre Kinder — vermutlich an eine Gemeinde, die Besuch von Reiselehrern bekam.
Gattung
Kurzbrief in der Form des Alltagsbriefs — Gruß, Bitte, Warnung, angekündigter Besuch.
Kernaussage
Wahrheit und Liebe gehören zusammen, und beide hängen an einem einzigen Satz: Jesus Christus ist wirklich als Mensch gekommen.

2. Johannes hat dreizehn Verse und kein Kapitel; die Verse werden einfach durchgezählt. Der Schreiber nennt sich nur der Älteste. Empfänger ist eine auserwählte Frau mit ihren Kindern. Wer gemeint ist, sagt er nicht. Aber die Anrede springt: Mal redet er eine Einzelne an, mal eine ganze Gruppe (Verse 6.8.10.12). Am Schluss grüßen die Kinder ihrer Schwester. So redeten Christen damals von einer Gemeinde: als von einer Familie. Lehrer ziehen von Ort zu Ort und nehmen vom Glauben etwas weg. Was sie bestreiten, steht in Vers 7: dass Jesus Christus wirklich als Mensch aus Fleisch und Blut zu uns kam. Der Älteste schreibt trotzdem kurz; er will lieber kommen und mündlich reden. Vorher zieht er eine Linie, und er zieht sie nur an dieser einen Stelle.

Schlüsselstellen

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2. Johannes 1–2Warum steht ein Wort gleich fünfmal am Anfang?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Der Schreiber nennt keinen Namen, nur sein Amt: der Älteste. Er liebt die Empfänger in der Wahrheit, und mit ihm tun es alle, die sie erkannt haben. Vers 2 nennt den Grund dieser Liebe: wieder die Wahrheit. Zweimal in Vers 1, einmal in Vers 2, je einmal in den Versen 3 und 4: fünfmal auf vier Verse. Danach schweigt das Wort für den Rest des Briefes. Auffällig ist, was Vers 2 sagt. Sie bleibt in uns — der Älteste zählt sich mit — und sie bleibt für immer. So klingt kein Satz über eine Meinung. So klingt ein Satz über jemanden, der eingezogen ist. Merk dir das Wort bleiben; in Vers 9 kommt es wieder.

Der Christus-Bezug

Genau so redet das Johannesevangelium, dort allerdings vom Geist der Wahrheit: Er bleibt bei den Seinen, und zwar für immer (Johannes 14,16–17). Wer die Wahrheit ist, sagt dasselbe Buch (Johannes 14,6). Der Brief sagt es nicht. Er weist über sich hinaus; das Neue Testament zitiert ihn nirgends. Aber er beschreibt die Wahrheit wie jemanden, der einzieht und bleibt.

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2. Johannes 3Wer schickt diesen Gruß?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vers 3 ist ein Segensgruß, wie ihn viele Briefe haben. Drei Gaben werden genannt: Gnade, Barmherzigkeit, Friede. Gnade heißt: Gott gibt, ohne dass du es verdient hättest. Ungewöhnlich ist, wer sie schickt. Der Vers nennt zwei Absender in einem Atemzug — Gott den Vater und Jesus Christus. Und dann sagt er, wer dieser Jesus ist: der Sohn des Vaters. Diese drei Wörter stehen im ganzen Neuen Testament nur hier. Zuletzt nennt der Vers den Raum, in dem alles gilt: Wahrheit und Liebe. Die beiden teilen sich den Rest. Um die Liebe gehen die Verse 4 bis 6, um die Wahrheit der Streit ab Vers 7 — auch wenn das Wort dort nicht mehr fällt.

Der Christus-Bezug

Hier redet der Brief ausdrücklich von Jesus und stellt ihn neben den Vater. Sohn des Vaters — so nennt ihn kein zweiter Vers. Das Evangelium desselben Schreibers sagt es anders: Der Sohn, der dem Vater am nächsten steht, hat uns Gott kenntlich gemacht (Johannes 1,18). Wer den Sohn wegnimmt, nimmt auch den Vater weg (1. Johannes 2,23).

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2. Johannes 4–6Was ist an diesem Gebot alt?StarkHeilslinie

Was hier steht

Vers 4 meldet eine Freude. Der Älteste hat welche von ihnen getroffen, die in der Wahrheit gehen. Genau das hat der Vater ihnen aufgetragen. Dann kommt seine Bitte, und er sichert sie sofort ab: Er bringt nichts Neues mit. Was er erbittet, hatten sie vom ersten Tag an. Sie sollen einander lieben. Vers 6 dreht die Sache um und macht sie handfest. Liebe ist hier kein Gefühl. Sie zeigt sich daran, dass wir nach seinen Geboten gehen. Der Satz läuft im Kreis, und das mit Absicht: Das Gebot ist die Liebe, die Liebe ist das Gebot. Dreimal steht in diesen drei Versen dasselbe Wort für Gehen. Wahrheit ist hier ein Weg, kein Standpunkt.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster redet Jesus am letzten Abend. Er trägt seinen Jüngern auf, einander zu lieben, und nennt gleich den Maßstab dazu: so, wie er sie geliebt hat (Johannes 13,34–35). Dort heißt das Gebot neu, hier heißt es alt. Beides zusammen sagt der Nachbarbrief (1. Johannes 2,7–8). Wer nach dem Anfang fragt, kommt bei ihm heraus.

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2. Johannes 7–8Woran hängt in diesem Brief alles?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Jetzt sagt der Brief, warum er überhaupt geschrieben wird. Viele Verführer sind unterwegs. Ihr Kennzeichen ist ein Nein. Sie bestreiten, dass Jesus Christus wirklich als Mensch aus Fleisch und Blut zu uns kam. Was sie dazu trieb, sagt der Brief nicht. Er nennt auch keine Namen und zeigt auf niemanden. Er nennt einen Satz. Für den, der ihn ablehnt, hat der Brief ein hartes Wort: Antichrist — einer, der sich an Christi Stelle setzt und gegen ihn steht. Im Neuen Testament steht dieses Wort nur bei Johannes (1. Johannes 2,18.22; 4,3). Achte darauf, woran hier geprüft wird. Vers 8 warnt, die Arbeit könnte verloren gehen. Der Prüfstein ist das Bekenntnis, nicht der Verdacht.

Der Christus-Bezug

Von dreizehn Versen nennen zwei den Namen Jesus, und dieser ist der zweite. Der erste Johannesbrief prüft Geister an demselben Bekenntnis (1. Johannes 4,2–3). Dort steht das Kommen als etwas Geschehenes, hier als etwas, das zu ihm gehört, gestern wie heute. Wie es geschah, sagt das Evangelium: Das Wort wurde Mensch und wohnte bei uns (Johannes 1,14).

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2. Johannes 9Was heißt in diesem Brief bleiben?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Vers 9 beschreibt dieselben Leute noch einmal, jetzt von ihrer Bewegung her. Der Vers stellt zwei Richtungen nebeneinander: weggehen und bleiben. Wer weggeht und die Lehre des Christus hinter sich lässt, hat nicht Gott plus etwas Neues. Er hat Gott gar nicht. Wer bleibt, dem gehören beide — der Vater und der Sohn. Die Wendung Lehre des Christus steht im Neuen Testament nur in diesem Vers, und hier gleich zweimal. Sie meint beides: was er gelehrt hat und was über ihn gelehrt wird. Das Wort bleiben stand schon einmal. In Vers 2 bleibt die Wahrheit in uns; jetzt sollen wir in ihr bleiben. Bleiben ist kein Stillstand. Es ist der Unterschied zwischen Wohnen und Vorbeigehen.

Der Christus-Bezug

Der Brief bindet Gott an die Lehre und die Lehre an Christus. An ihm vorbei ist Gott nicht zu haben. Der erste Johannesbrief sagt es umgekehrt: Wer den Sohn abstreitet, verliert den Vater (1. Johannes 2,23). Im Evangelium bindet Jesus die Ehre des Vaters an die Ehre des Sohnes (Johannes 5,23). Hier trägt der Titel.

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2. Johannes 10–11Warum soll hier jemand nicht gegrüßt werden?StarkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Diese beiden Verse klingen hart und werden oft falsch gebraucht. Es geht nicht um Nachbarn, Verwandte oder Kollegen. Es geht um Reiselehrer. Vers 10 sagt, woran sie kenntlich sind: Sie bringen diese Lehre nicht mit — die Lehre des Christus aus Vers 9. Gemeinden trafen sich damals in Privathäusern; Kirchengebäude gab es noch nicht. Einen Lehrer hereinzulassen hieß: ihm die Kanzel geben. Auch der Gruß wog damals mehr. Er war öffentlich und galt als Empfehlung: Der gehört dazu. Genau das soll die Gemeinde nicht sagen. Wer ihn so begrüßt, bekommt Anteil an dem, was er anrichtet (Vers 11). Der Brief verbietet keine Höflichkeit. Er verbietet, einem Irrlehrer die Gemeinde zu leihen. Die Grenze läuft an genau einem Punkt: an Vers 7, nicht am Geschmack.

Der Christus-Bezug

Nach demselben Muster handelt die frühe Gemeinde anderswo. Paulus stellt jede andere Botschaft unter den Fluch, selbst wenn ein Engel sie brächte (Galater 1,8–9). Der Nachbarbrief macht die Gegenprobe: Dort steht die Tür für die Boten weit offen (3. Johannes 5–8). Beides hängt an derselben Person. Wer hereinkommen darf, entscheidet sich an dem einen, der im Fleisch kam.

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Merkvers

2. Johannes 9

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Vers 7 macht ein Bekenntnis zum Prüfstein, nicht den Verdacht. Woran prüfst du, ob eine Botschaft trägt — an dem, was sie über Jesus sagt, oder an dem Gefühl, das sie hinterlässt?
  2. Vers 9 kennt nur zwei Richtungen: bleiben oder weggehen. Wo bist du in den letzten Jahren geblieben, und wo bist du still weitergezogen?
  3. Der Brief macht eine Tür zu und will trotzdem zu Besuch kommen (Verse 10–12). Wo müsstest du beides gleichzeitig lernen — die Grenze und die Freude auf den anderen?