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Briefe Paulus' · NT · Kapitel 54 von 66

1. Timotheus

Jesus ist unser Mittler.

Verfasser
Paulus, Apostel Jesu Christi auf Gottes Befehl (1,1); den Empfänger nennt er sein Kind im Glauben (1,2).
Entstehung
Nach der Abreise des Paulus nach Mazedonien; Timotheus bleibt in Ephesus zurück (1,3).
Gattung
Dienstanweisung an einen Mitarbeiter — Gemeindeordnung mit eingelegten Bekenntnissätzen.
Kernaussage
Timotheus soll wissen, wie man sich im Haus Gottes verhält — und mitten in dieser Ordnung steht einer, der Gott und Menschen zusammenbringt.

Paulus schreibt an einen jungen Mitarbeiter. Timotheus soll in Ephesus bleiben und dort aufräumen (1,3). In der Gemeinde reden Leute über Legenden und endlose Ahnenlisten (1,4). Andere geben sich als Gesetzeslehrer aus und begreifen nicht, wovon sie reden (1,7). Wieder andere untersagen die Ehe und streichen bestimmte Nahrung (4,3). Am Schluss fällt das Stichwort: eine Erkenntnis, die den Namen nicht verdient (6,20). Paulus antwortet nicht mit einer Gegenlehre, sondern mit einer Hausordnung. Wer darf vorstehen? Wie geht sie mit Witwen um, mit Alten, mit Ältesten, mit Sklaven? Was tut sie mit Geld? Kapitel 3 sagt, warum das Ganze aufgeschrieben wurde: Timotheus soll wissen, wie man sich im Haus Gottes verhält (3,15). Und in diese sehr praktische Ordnung sind wenige Sätze eingelegt, die weiter reichen als jede Ordnung.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
1. Timotheus 1,12–17Warum stellt Paulus sich selbst als Beispiel hin?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Paulus dankt für seinen Auftrag. Dann sagt er, was er vorher war: Er hat gelästert, verfolgt, Gewalt geübt (1,13). Er redet es nicht klein. Er nennt es Unwissenheit und Unglauben und lässt es stehen. In 1,15 folgt der erste von drei Sätzen, die dieser Brief ausdrücklich für verlässlich erklärt (1,15; 3,1; 4,9). Der Satz ist kurz: Jesus kam in diese Welt, um Schuldige zu retten. Danach tut Paulus etwas Ungewöhnliches. Er stellt sich an die erste Stelle dieser Reihe. Das ist keine Höflichkeitsformel. 1,16 nennt den Zweck: An ihm sollte zuerst sichtbar werden, wie lange Christus Geduld hat. Der Verfolger wird zum Anschauungsstück. Dann bricht ein Lobpreis auf Gott heraus (1,17).

Der Christus-Bezug

Hier sagt der Brief ohne Bild, warum Christus gekommen ist: Schuldige sollen gerettet werden. Andere Bücher sagen Ähnliches — retten, was verloren ist (Lukas 19,10); Sünder rufen statt Gerechte (Matthäus 9,13). Nur dieser Brief macht daraus einen Merksatz, den er ausdrücklich beglaubigt, und hängt einen Namen daran. Wer fragt, für wen der Mittler eintritt, findet hier die Antwort: für den schlimmsten Fall zuerst.

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1. Timotheus 2,1–4Für wen soll die Gemeinde beten?StarkHeilslinie

Was hier steht

Der zweite Teil beginnt mit einer Anweisung zum Gebet, und sie lässt niemanden aus: Bitten und Dank für alle Menschen (2,1). Dann werden Könige und Amtsträger eigens genannt (2,2). Denk daran, wer damals regierte. Diese Christen waren einer Macht ausgeliefert, die sie bald verfolgte. Sie sollen für sie beten, nicht gegen sie. Das Ziel ist ein ruhiges Leben in Gottesfurcht (2,2), kein politischer Umbau. 2,3–4 nennt den Grund: Gott gefällt das, denn er will die Rettung aller. Auffällig ist die Wortwahl. In diesem Brief heißt Gott dreimal Retter (1,1; 2,3; 4,10), Christus dagegen unsere Hoffnung (1,1). Den Namen Christus nennt der Abschnitt noch nicht. Die Fürbitte steht vor der Belehrung.

Der Christus-Bezug

Der nächste Vers beginnt mit einem Begründungswort: weil einer in der Mitte steht (2,5). Gottes Wille zur Rettung hängt damit nicht in der Luft, er hat eine Adresse. Die Linie ist älter: In Jesaja 45,22 ruft Gott alle Enden der Erde zu sich. Nach demselben Muster redet Paulus vom Zugang, den wir durch Christus haben (Römer 5,1–2; Epheser 2,18).

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1. Timotheus 2,5–6Warum braucht es überhaupt einen in der Mitte?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Zwei Verse tragen den Titel dieses Buches. Der Satz zählt: einer oben, einer in der Mitte. Dann das Wort, an dem alles hängt: Der in der Mitte ist ein Mensch. Der Brief hätte „der Herr“ schreiben können oder „der Sohn“. Er schreibt Mensch und setzt den Namen daneben. Ausdrücklich nennt der Vers nur die eine Seite; die andere sagt derselbe Brief ein Kapitel später (3,16). 2,6 sagt, wie er die Sache erledigt: nicht durch Verhandeln. Er gibt sich selbst hin als Lösegeld — der Preis, mit dem ein Gefangener freikommt. Das griechische Wort ist eine verstärkte Form, nicht die aus Markus 10,45, und steht im ganzen Neuen Testament nur hier. Und es gilt für alle.

Der Christus-Bezug

Hier steht der Titel im Text, ohne einen einzigen Zwischenschritt. Jesus hat selbst angekündigt, sein Leben als Preis hinzugeben, damit viele frei werden (Markus 10,45). 1. Timotheus verschiebt das an einem Punkt: Hier gilt der Preis für alle, und der Vers begründet damit ein Gebet. Der Hebräerbrief baut das Wort aus (Hebräer 9,15). Hier bleibt es ein Satz. Er genügt.

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1. Timotheus 3,14–16Was singt die Gemeinde in diesem Brief?StarkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Jetzt sagt Paulus, warum er schreibt. Er hofft, bald zu kommen; falls es länger dauert, soll Timotheus wissen, wie man sich im Haus Gottes verhält (3,14–15). Der Brief nennt die Gemeinde ein Hauswesen und sagt, dass die Wahrheit hier ihre Säule und ihren Boden hat. Direkt danach wechselt der Ton. 3,16 hat Zeilen, Rhythmus und Kürze — ein Bekenntnis, das die Gemeinde offenbar schon kannte. Sechs Schritte. Der erste setzt bei einem Leib aus Fleisch und Blut an. Dann gibt der Geist Recht. Engel sehen zu. Heidenvölker hören die Botschaft. Menschen vertrauen ihr. Der letzte Schritt endet oben, in Gottes Herrlichkeit. Von unten nach oben — und mitten auf der Strecke liegen die Völker.

Der Christus-Bezug

Der Name Jesus fällt in diesen sechs Zeilen nicht; die Hausübersetzung setzt Gott davor. Wer im Fleisch erschien, sagt derselbe Brief ein Kapitel früher: der Mensch Christus Jesus (2,5); in 6,14 kommt er wieder. Philipper 2,6–11 zeichnet dieselbe Aufwärtsbewegung, setzt aber den Abstieg davor, von dem 3,16 nichts sagt. Und dieses Lied steht in einer Gemeindeordnung: Was gesungen wird, ordnet, wie zusammengelebt wird.

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1. Timotheus 4,1–5Warum verteidigt dieser Brief das Essen?MittelKanonische Dramaturgie

Was hier steht

Der Geist sagt voraus, dass Leute den Glauben verlassen, und der Brief beschreibt sie genau: Sie untersagen die Ehe und streichen bestimmte Nahrung (4,3). Das klingt ernst und sieht nach Hingabe aus. Paulus nennt es Heuchelei und Lehre von Dämonen (4,1–2). Sein Gegenargument ist kein Freibrief, sondern die Schöpfung: Gott hat es gemacht, und was aus seiner Hand kommt, ist gut (4,3–4). Geheiligt wird es nicht durch Verzicht, sondern durch Gottes Wort und Gebet, mit Danksagung genommen (4,3–5). Kurz danach zieht der Brief die Grenze anders: Übung am Körper nützt wenig, die Gottesfurcht nützt für alles (4,8). Der Brief ist nicht gegen Übung. Er ist gegen den Gedanken, dass Gott über Verzicht erreichbar wird.

Der Christus-Bezug

Der Brief begründet das mit der Schöpfung, nicht mit dem Mittler. Diesen Schritt tut er nicht — wir tun ihn, und wir sagen es. Er liegt nahe: Wer zwischen Gott und uns steht, ist selbst ein Mensch mit Leib (2,5). Wer so kommt, verachtet Leib, Ehe und Tisch nicht. Kolosser 2,20–23 führt die Auseinandersetzung aus; 1. Timotheus lässt sie offen.

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1. Timotheus 6,11–16Wo hat der Mittler selbst ausgesagt?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Der Schluss wird persönlich. Timotheus soll weglaufen — weg von der Gier, die der Brief gerade beschrieben hat (6,9–11) — und hinterherlaufen. Sechs Dinge zählt 6,11 auf, von Gerechtigkeit bis Sanftmut. Dann das Bild vom Kampf (6,12) und die Erinnerung an einen Tag, an dem Timotheus vor Zeugen öffentlich Stellung genommen hat. 6,13 verpflichtet ihn feierlich, und zwar vor zweien: vor Gott, der alles lebendig macht, und vor Christus selbst. Dazu ein Datum. Christus hat vor Pontius Pilatus ausgesagt und zu seiner Sache gestanden. Kein anderer Brief nennt Pilatus mit Namen. Der Auftrag läuft bis zu einem Termin, den Gott setzt (6,14). Wann das ist, sagt der Brief nicht (Matthäus 24,36).

Der Christus-Bezug

Timotheus soll durchhalten, weil einer vor ihm durchgehalten hat — und der Ort dafür war ein römisches Verhör. So hat der Mittler nicht nur ein Amt, sondern eine Akte: Zeit, Ort, Name des Beamten. Johannes 18,37 erzählt, wovon 6,13 nur die Tatsache festhält. Der Lobpreis danach gilt dem, den kein Mensch gesehen hat (6,15–16), wie schon in 1,17. Denselben Königstitel trägt in der Offenbarung das Lamm (17,14; 19,16).

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Merkvers

1. Timotheus 2,5

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. 1. Timotheus 2,1 lässt niemanden aus. Für welchen Menschen betest du gerade nicht — und was hindert dich daran?
  2. Paulus stellt sich selbst an die erste Stelle der Geretteten (1,15–16). Was in deiner Geschichte könnte anderen gerade dadurch Mut machen, dass es schlimm war?
  3. Die Leute in Kapitel 4 wollten näher an Gott kommen, indem sie sich etwas verboten. Wo tun wir als Gemeinde dasselbe, ohne es zu merken?