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Allgemeine Briefe · NT · Kapitel 60 von 66

1. Petrus

Jesus ist der Oberhirte.

Verfasser
Petrus, Apostel Jesu Christi (1,1); geschrieben durch Silvanus (5,12).
Entstehung
Ein Rundbrief an Gemeinden in fünf Landschaften Kleinasiens; gegrüßt wird aus Babylon, zusammen mit Markus (5,13).
Gattung
Gemeindebrief — Trost und Anleitung für Christen, die im eigenen Umfeld angefeindet werden.
Kernaussage
Wer zu Christus gehört, lebt als Fremder unter seinen Nachbarn, leidet zu Unrecht wie sein Herr und geht dabei auf ein Erbe zu, das ihm niemand nehmen kann.

Petrus schreibt an Christen in fünf Landschaften Kleinasiens: Pontus und Galatien, Kappadozien, Asia und Bithynien (1,1). Er nennt sie Fremdlinge. Keine Reisenden, sondern Leute, die dort wohnen, wo sie nicht dazugehören — ohne Bürgerrecht, ohne Rückhalt. Seit sie nicht mehr mitmachen, gelten sie als sonderbar, und man redet schlecht über sie (4,4; 2,12; 3,16). Eine Behörde, die gegen sie vorgeht, nennt Petrus nirgends; den König sollen sie ehren (2,17). Der Druck kommt von der Straße, vom Arbeitsplatz, aus der Verwandtschaft. Der Brief geht in fünf Kapiteln einen klaren Weg: die Hoffnung, das Leben, das dazu passt, das Verhalten gegenüber Behörden, Herren und Ehepartnern, das Leiden, zuletzt die Ältesten. Petrus verspricht nirgends, dass der Druck aufhört. Er sagt zweierlei: Es dauert nicht lange (5,10). Und es endet nicht dort, wo es im Augenblick aussieht.

Schlüsselstellen

6 von 6 sichtbar
1. Petrus 1,1–2Wer sind diese Leute?StarkHeilslinie

Was hier steht

Die Anschrift benennt schon die ganze Lage. Petrus schreibt an Fremdlinge — und setzt das Wort daneben, mit dem die Juden ihr Leben außerhalb des eigenen Landes bezeichneten: Zerstreuung. Diese Christen sitzen weit auseinander, verteilt über fünf Provinzen. Dann folgt, was für sie gilt. Gott der Vater hat sie im Voraus angesehen. Der Geist hat sie ausgesondert. Und das Blut, das Jesus Christus vergossen hat, ist über sie gekommen wie beim Bundesschluss am Sinai, wo Mose das Volk mit Blut besprengte (2. Mose 24,8): Gott bindet sich an ein Versprechen. Drei Namen, ein Vorgang. Wer nirgends hingehört, gehört hierhin. Das steht vor jeder Anweisung dieses Briefes, nicht dahinter.

Der Christus-Bezug

Ein Brief an Verstreute — und am Schluss ein Hirte. Das passt zusammen. Bei den Propheten sammelt Gott selbst ein, was sich verlaufen hat (Hesekiel 34,11–13; Jeremia 23,3). Johannes schreibt, Jesus sterbe, um Gottes Kinder, die verstreut leben, zusammenzubringen (Johannes 11,52). Der Brief zieht diese Linie in 1,1 nicht selbst. Erst 5,2 nennt die Gemeinde eine Herde.

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1. Petrus 1,18–21Was hat euch herausgeholt?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Petrus erinnert an den Preis. Silber und Gold kommen zuerst und werden sofort abgeräumt: vergängliche Dinge. Das Wort für Loskaufen meint: jemanden gegen Bezahlung frei bekommen, wie einen Sklaven auf dem Markt. Woraus sie freikamen, sagt Petrus hart: aus einer leeren Lebensweise, die ihnen die Väter vererbt hatten. Für Menschen, deren Halt ganz an der Herkunft hing, ist das ein schwerer Satz. Bezahlt wurde mit Blut, und Petrus nennt es kostbar. Dazu stellt er ein Bild: ein Opferlamm, an dem sich nichts beanstanden ließ. So beschreibt das Gesetz die Tiere, die zum Opfer taugten (3. Mose 22,20–21). Vers 21 sagt, worauf ihr Glaube ruht: auf Gott, der ihn vom Tod zurückgeholt hat.

Der Christus-Bezug

Hier liegt das Gewicht des Briefes. Der Hirte aus 5,4 ist zuerst das Lamm aus 1,19. Johannes nennt Jesus Gottes Lamm (Johannes 1,29), Paulus nennt ihn unser Passalamm (1. Korinther 5,7), die Offenbarung setzt das geschlachtete Lamm auf den Thron und lässt es weiden (Offenbarung 5,6; 7,17). Petrus stellt die beiden Bilder nicht nebeneinander, sondern hintereinander: erst der Preis, dann die Führung.

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1. Petrus 2,21–25Wie wird aus dem Lamm der Hirte?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Der Abschnitt steht mitten in einer Anweisung an Hausknechte, die zu Unrecht geschlagen werden (2,18–20). Petrus redet dieses Unrecht nicht schön. Er begründet: Genau dahin seien sie berufen, weil Christus diesen Weg vor ihnen gegangen sei. Das Wort für Vorbild meint die Vorschrift-Zeile, die ein Schulkind nachzieht. Dann kommen vier kurze Sätze, erkennbar aus Jesaja 53: keine Sünde, kein falsches Wort (Jesaja 53,9); beschimpft, aber ohne Gegenschlag; leidend, aber ohne Drohung; die Sache legt er dem hin, der gerecht richtet. Vers 24 geht über das Vorbild hinaus: Dort trägt er fremde Schuld, leiblich, ans Holz. Nachmachen kann das niemand. Vers 25 schließt den Bogen: Vorher liefen sie umher wie Schafe ohne Weg, jetzt sind sie umgekehrt.

Der Christus-Bezug

Hier steht die Brücke, auf der dieser Artikel ruht. Petrus geht Jesaja 53 durch, und die letzte Zeile seines Durchgangs ist kein Lamm mehr, sondern ein Hirte. Jesaja sagt, dass die Schafe sich verliefen (Jesaja 53,6). Petrus sagt dazu, wohin sie zurückkamen. Diesen Schritt tut er selbst. Kein anderer neutestamentlicher Text, der Jesaja 53 aufnimmt, geht ihn mit.

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1. Petrus 3,18–22Wer geht für wen?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Der Zusammenhang ist das Leiden für das Gute (3,13–17). Dann begründet Petrus. Er hat ein einziges Mal für Sünden gelitten — nicht immer wieder. Und er stellt zwei Wörter gegeneinander: einer, der Recht hatte, für Leute, die keins hatten. Das Ziel ist keine Abrechnung, sondern ein Zugang: Wer draußen stand, soll durch ihn bei Gott ankommen. Danach wird es schwierig. Petrus schreibt vom Getötetwerden und Lebendigwerden, dann von einer Verkündigung an Geister im Gefängnis (3,19–20). Darüber denken Christen seit jeher verschieden. Der Brief baut darauf nichts auf. Er läuft weiter zur Taufe (3,21) und endet dort, wo er hinwill: Vers 22 stellt Christus an Gottes rechte Seite, Engel und Mächte unter ihn.

Der Christus-Bezug

Ein Satz, und der Tausch steht da: der eine, dem nichts vorzuwerfen war, für die anderen, denen alles vorzuwerfen war. Paulus sagt dasselbe mit anderen Worten (Römer 5,6–8; 2. Korinther 5,21). Petrus hängt ein Ziel daran: hin zu Gott. Und er sagt, wo dieser Mensch jetzt ist (3,22). Der oberste Hirte aus 5,4 ist kein anderer als der, der zur Rechten Gottes sitzt.

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1. Petrus 4,12–19Warum ist das Feuer nichts Fremdes?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Jetzt wird es scharf. Petrus nennt, was über die Gemeinden gekommen ist, eine Feuerprobe — und verbietet ein Gefühl: Nichts daran soll ihnen fremd vorkommen. Stattdessen sollen sie darin ihren Anteil an dem sehen, was Christus erlitten hat (4,13). Dann zieht er eine oft überlesene Grenze. Wer für eigene Taten büßt — Mord, Diebstahl, Übeltat, Einmischung in fremde Dinge —, meint Petrus hier nicht (4,15). Erst 4,16 nennt den anderen Fall: den, der als Christ leidet und darum den Kopf nicht senken muss. Das Wort Christ steht im Neuen Testament nur dreimal; dies ist die einzige Stelle außerhalb der Apostelgeschichte (11,26; 26,28). Dort wird der Name den Jüngern gegeben, nicht von ihnen gewählt. Petrus nimmt ihn auf.

Der Christus-Bezug

Der Brief lässt die Christen nicht neben ihrem Herrn leiden, sondern in dem, was ihm zugestoßen ist. Das ist die Reihenfolge aus 1,11: erst Leiden, dann Herrlichkeit — bei ihm und bei ihnen. Wer geführt wird, geht dorthin, wo der Hirte schon war. Petrus sagt dabei nirgends, dass dieses Leiden etwas gutmache. Christus hat einmal gelitten (3,18).

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1. Petrus 5,1–4Wer hütet die Hirten?Sehr starkDirektes Zeugnis

Was hier steht

Petrus redet die Ältesten an und stellt sich dabei nicht über sie. Er nennt sich Mitältester. Und er nennt sich Zeuge — dessen, was Christus erlitten hat (5,1). Dann kommen drei Gegensatzpaare, alle auf die Haltung gerichtet: nicht Zwang, sondern Freiwilligkeit; nicht Gewinnsucht, sondern Hingabe; nicht Herrschaft über das Zugewiesene, sondern Vorbild für die Herde (5,2–3). Ein Wort entscheidet alles: Die Herde gehört Gott (5,2). Diese Hirten arbeiten auf fremdem Hof. Vers 4 nennt dann Lohn und Zeitpunkt. Sobald der oberste Hirte sichtbar wird, bekommen sie einen Kranz, der nicht verwelkt. Der Siegerkranz der Wettkämpfe bestand aus Blättern und welkte. Der Lohn kommt vom obersten Hirten, nicht von der Herde. Das nimmt beiden Seiten den Druck.

Der Christus-Bezug

Nur hier heißt Jesus der Hirte über den Hirten. Johannes 10 stellt ihn den Mietlingen gegenüber, die weglaufen. Hesekiel 34 nimmt schlechten Hirten die Herde weg. Hebräer 13,20 nennt ihn den großen Hirten und begründet es mit der Auferstehung. Dieser Brief macht etwas anderes: Er lässt die menschlichen Hirten im Amt und setzt einen über sie. Wer hier führt, wird selbst geführt.

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Merkvers

1. Petrus 2,25

Den Wortlaut findest du auf bibleserver.com (öffnet in neuem Tab); hier stehen bewusst nur die Stellenangaben.

Zum Weiterdenken

  1. Petrus nennt seine Leser Fremdlinge. An welcher Stelle deiner Woche merkst du am deutlichsten, dass du eigentlich woanders zu Hause bist?
  2. 1. Petrus 2,25 redet von Schafen, die sich verlaufen hatten und zurückgefunden haben. Wovon läufst du gerade weg — und was wäre der erste Schritt zurück?
  3. 5,2 sagt, wem die Gemeinde gehört. Woran würde ein Besucher bei uns merken, dass wir das wirklich glauben?